Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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Wissens der Verein entweder keine oder eine keineswegs beträchtliche amtliche Unter-stützung genießt und daher auf seine geringen Mittel und der Hauptsache nach auf dieSchaffens und Opferwilligkeit einzelner Mitglieder und anderer Freunde heimischer Kunstangewiesen ist.

Das Werk ist gleichmäßig dem Hausforscher und Architekten zu empfehlen, derhier den brennenden Durst nach gesundem Quell in der pfadlosen Wüste modernenBauschaffens löschen kann.

Der Preis von sechs Kronen für eine Lieferung von zehn Tafeln, von dreißig fürdas ganze Werk ist ein geringer. Am Schluß soll noch ein Heft erklärenden Texteserscheinen. Wie nehmen nach dem Bisherigen an, daß man den nichtkroatischen Lesernauch hier mit einer deutschen Ausgabe entgegenkommen wird.

Anton Dachler.

15. Die Quelle VI. Volkstümliche Kunst. Ansichten von alten heimatlichen Bau-formen, Land- und Bauernhäusern, Höfen, Gärten, Wohnräumen, Hausrat und anderem.Photographisch aufgenommen von Martin Gerlach. Vorwort von Josef August Lux.Verlag von Martin Gerlach& Ko., Wien und Leipzig.

Siebenhundert Abbildungen in tadellosen, gleichwertigen Lichtdrucken mit kurzerEinleitung, in vornehmer Ausstattung sind hier aus allen Gegenden Österreich- Ungarnsund auch anderen Ländern zusammengetragen, um, wie die Einleitung sagt, die wahrekünstlerische Vergangenheit des Volkes darzustellen. Es soll gleich hier an der Schwelleausgesprochen werden, daß dieses Vorhaben in überraschender Weise ins Werk gesetztwurde, die Ansichten mit unfehlbarem Blicke gewählt sind, so daß auch unscheinbareGegenstände zu günstiger Erscheinung gebracht wurden.

Weniger als sonst in Mitteleuropa sind bei uns Reste alter volkstümlicher Kunst-formen erhalten, da erst im Laufe des 18. Jahrhunderts die Kriegsnöten sich soweitgemäßigt hatten, daß an Kunstübung auch in weiteren Kreisen gedacht werden konnte.Die spärlichen Reste früherer Zeiten und die der späteren Blüte, welche im modernenWirbel unterzugehen drohen, sollen vor ihrem fast unausbleiblichen Verderben mindestensim Bilde festgehalten werden.

Zu so manchem in zerstreuten Abbildungen Vorhandenen kommt die Überzahlvon neu Aufgespürtem, so daß in manchen Richtungen der Stoff erschöpft sein dürfte.Wer je den Leidensweg photographischer Aufnahmen gewandelt ist, wird ermessen können,was es heißt, eine so große Anzahl guter, über eine weite Länderstrecke verteilterBilder zu beschaffen.

Das Werk wird nicht nur das Interesse vieler Gebildeter erregen, da schon müßigesDurchblättern Vergnügen schafft, es ist für weite schaffende Kreise ein gewiß freudigbegrüßtes Hilfsmittel, für den Architekten, Maler und nicht zuletzt den Volkskundeforscher,und dies ist auch der Hauptgrund, weshalb es an dieser Stelle gewürdigt werden soll.Nicht allein wegen der zahlreichen Bauernhäuser, deren Hausrat, der Trachten; auchdie alten Einfamilienhäuser der Landstädte und Vorstädte von Wien sind Gegenstand derVolkskunde. Gleich den Behausungen des Bauern sind auch sie ein Spiegel der ganzenDenkweise des Bewohners und geeignet, im Vereine mit dem Hausrate und den be-kannten Lebensäußerungen der jeweiligen Zeit ein Bild der Zustände zu entrollen.

In kaum geringerem Maße als der Bauer brachte früher auch der städtischeBürger seine konservativen Neigungen in der Anlage und Ausstattung seiner Wohnungzum Ausdruck. Wenn nun auch die meisten Möbel und besonders jene zahllosen Hand-arbeiten abhanden gekommen sind, womit fleißige Frauenhände sich früher rastlosbefaßten, so ist es umsomehr nötig, das noch Vorhandene festzuhalten. Der Reiz liegthier nicht so sehr in der äußeren Erscheinung, die oft recht anspruchlos ist, sondern inder damit zur Erscheinung gebrachten Denkweise. Dies möge bei Betrachtung vielerBilder beherzigt werden. Wir können deshalb auch von einer Volkskunst des Städterssprechen, die nun fast vollständig der Vergangenheit angehört, da die wenigen noch vor-handenen alten Hüllen neuen Inhalt in sich fassen.