Ethnographische Chronik aus Österreich.
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unangenehm bemerkbar. Mit Ausnahme von einigen Secretären und Truhen aus dem 18. und19. Jahrhundert ist an Möbeln und Einrichtungsgegenständen nahezu nichts vorhanden.Die so lehrreiche und anmuthende Einrichtung ganzer Zimmer oder Stuben, wie wir siezum Beispiel in dem Landesmuseum von Graz, Salzburg u. a. finden, wird schmerzlichvermisst. Von grossem Interesse ist ein Holzkalender, den sich ein Bauer hergestellt hat.Er hat ein Eichenbrett der Länge nach in Monate, Wochen und Tage getheilt und sichzu den einzelnen Wochenabschlüssen Bemerkungen gemacht, die durch eine offenbar vonihm selbst erfundene Zeichenfolge gebildet sind. Der Kalender ist schon verschiedentlichveröffentlicht worden, doch ist eine Deutung und Lesung bisher noch nicht möglich gewesen.Von grösserem Interesse sind auch die beiden Zimmer des Erdgeschosses, dieBilder, Karten, Handschriften, Drucke und Urkunden enthalten. Neben den Bildernbekannter heimischer Persönlichkeiten aus der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts findenwir auch Landschaftsbilder( zum Beispiel das bekannte Triglavpanorama von Pernhardt).Auch hier wird durch die Fülle der nebeneinandergehängten Bilder der Ueberblick sehrerschwert. Daneben sind auch alte Stadt- und Landeskarten( zum Beispiel die vonFloriančič) zu sehen; ferner Aquarelle alter Kirchen- und Profanbauten, Stammbüchermit schön gemalten Familienwappen( 17. und 18. Jahrhundert), altslawische, evangelischeLiteratur, Kalender etc. Bemerkenswerth ist ein langer, über die Wand hängender FermanMurads III. vom Jahre 1631. Dazu kommen noch zahlreiche Urkunden, die bis in das13. Jahrhundert zurückgehen( Ablassbulle Papst Alexanders IV. von 1258, UrkundeBertholds von Aquileia von 1250), die Kaiserurkunden gehen bis auf Heinrich III.( 1040) zurück.
Alles in Allem haben wir hier ein Provinzialmuseum vor uns, das sich zwar inseinem Reichthum an prähistorischen und römischen Funden über das Mittelmass erhebt,aber gerade an volkskundlichen Dingen nicht viel besitzt. Dass das Land jedoch an volks-kundlichen Gegenständen nicht arm ist, beweisen uns zahlreiche Privatsammlungen, diemit dem Aufwande nicht gerade bedeutender Geldmittel, aber mit vieler Liebe und grossemFleisse gesammelt wurden. Bleiben wir in der grossen centralen Ebene des Landes undgreifen wir nur zwei Sammlungen heraus!
Am Austritte des Flusses Zeier in die Saveebene liegt als Schlüsselpunkt die alteStadt Lack. Eigentlich sind es zwei Orte: Altlack und Bischoflack, beide durch Schlösserehemals von Bedeutung. Das Schloss Altlack gehört schon seit drei Generationen derFamilie Strahl. Der gegenwärtige Besitzer( Landesgerichtsrath Strahl) hat schon von seinemVater eine schöne Sammlung übernommen, die er mit Eifer und Sorgfalt ergänzt.
Schon das Schloss mit seinen Umfassungsthürmen, Höfen, Gitterthüren und Gängenbietet manchen interessanten Blick, und die innere geschmackvolle Ausstattung ent-spricht diesem Eindrucke. Das Schwergewicht liegt in der Bildersammlung, die auffallendreich und interessant ist. Sie umfasst über dreihundert Oelbilder, ferner Gemälde aufBlech, Glas etc. Es ist kaum ein bedeutender krainerischer Meister darin unvertreten,so dass sich an der Hand dieser Sammlung die malerische Entwicklung Krains verfolgenlässt. Auch ausländische Meister sind, wenn sie in Krain gewirkt haben oder für dieEntwicklung der heimischen Kunst Bedeutung haben, vertreten( zum Beispiel Kremser-Schmidt). Volkskundlich interessante Gegenstände sind leider auch hier selten. Bedeutsamist eine Sammlung von über zwanzig Truhen und Kasten; sie gehören meist der Renais-sance an und sind gut erhalten. Manche freilich sind durch moderne„ Restaurirungen"in ihrem Stil beeinträchtigt.
Eigenartig sind die Belege für eine gewisse Ziertechnik, die darin besteht, dassfarbige Holzschnitte auf das Rahmenholz des Kastens geklebt und mit Lack über-strichen werden; sie dunkeln dann nach und machen den Eindruck von Oelmalereienoder Intarsien. In den Füllungen werden ebenso die Figuren umgekehrt auf Glas geklebtund weiss grundiert. Das Ganze erreicht mit den einfachsten Mitteln sehr gute Wirkungen,Der Kasten stammt, wie die dazu verwendeten Bilder beweisen, aus dem Ende des18. Jahrhunderts; doch war diese Technik noch bis tief in die erste Hälfte des 19. Jahr-hunderts in Uebung.