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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Gutsherrschaft, die unter dem milden Krummstabe Wohnenden unterlagen einer grund-verschiedenen sozialen Entwicklung. Boden verhältnisse, Lage bei der Stadt oder imGebirge, am Flusse oder am Meere, Verkehrswege, geistige Fähigkeiten, das Auftreteneinzelner Persönlichkeiten, alle diese Faktoren beeinflussen den Wohlstand einer Gegend.Mit dieser Erwägung klärt der Verfasser die scheinbaren Widersprüche alter Berichte auf,die uns so grundverschiedene Bilder des Bauernlebens in alter Zeit vermitteln.
Es wird uns Bauernkunst des Mittelalters in Abbildungen vorgeführt und gezeigt,wie dieselbe im wesentlichen bis heute dieselbe geblieben ist, wie es die Bedingungenblieben, aus denen sie entstanden. Die Bilder sind nicht ohne Kritik alten Meistern, derBibel und Heiligengeschichten entnommen.
Der zweite Abschnitt des Buches zeigt uns die Bauernkunst in ihren Eigenschaften.Dem Leser wird an zahlreichen Bildern und mit guten Bemerkungen die große Ver-schiedenheit der einzelnen Gegenstände gezeigt, im folgenden Text aber diese erfreulicheErscheinung mit Hinweisen auf den Einfluß der geographischen Eigenheit der Heimat( Klima, Gebirge, Ebene, Engtal, Abhang, Ufer, Küste u. s. w.) und der Stammessonderartaufgeklärt. Von diesem Reichtum in den einzelnen Stilarten wird nun auf das Gemein-same der Volkskunst übergegangen, das sich vor allem in dem praktischen Sinne äußert,von dem jeder bäuerliche Künstler durchdrungen ist. In der Baueinkunst gibt es keinKunstwerk ohne praktischen Zweck. So zum Beispiel ist das Kreuz im Winkel ebensowie die Statue des heiligen Florian nicht der bloßen Zierde wegen da. ZahlreicheIllustrationen veranschaulichen uns praktische und doch schöne Hauseinrichtungen, Möbel;Geräte sogar, die einen zweifachen Zweck zu erfüllen haben. Letztere erinnern mich andas„ Kanapee“ im Elternhause, das sich abends zu einer Bettstatt auseinanderlegen ließ.Der praktische Sinn des Volkes zeigt sich auch in der klugen Ausnützung, derDienstbarmachung der gegebenen Bodenverhältnisse, die ganz besonders beim Hausbauein Erscheinung tritt. Ein weiterer gemeinsamer Zug in der Volkskunst ist das Hängen,das Festhalten an der Überlieferung, am Alterprobten, Ererbten, das den Bauern schonmanchen, meist unverdienten Schimpf eingetragen. Urzeitliche Ornamente, mittelalterlicheVerzierungen, romanischer, gotischer und neuzeitlicher Schmuck findet sich nebennaturalistischen Blumenmustern. Dieser unbefangene Mischmasch von Stilarten, um höhereKunstgesetze unbekümmert, gewährt unserer Dorfkunst viel Eigenartiges und Lebendiges.( Ich möchte die Stillosigkeit jedoch nicht zu den Vorzügen der Bauernkunst rechnen.)Als Gemeinsames in der Volkskunst nennt Schwindrazheim ferner die Formenfreude,Abwechslungslust, Farbenlust und bringt hierzu eine Menge Holzschnitte und farbige Tafeln.
Ein Gegengewicht zur Betonung des praktischen Sinnes bildet das Mitspielen desGemütes, das sich in den als Verzierung angebrachten Sprüchen äußert. Als weitereZierden dienen religiöse und weltliche Symbole, erstere besonders in katholischen Gegenden.Weltliche Darstellungen zeigen Jäger, Schiffer, Soldaten, Tiere, Bäume, vor allem Blumen.
Der dritte Abschnitt des Buches bespricht die einzelnen Erzeugnisse der Bauern-kunst. Dorf, Zaun, Hof, Haus, Dorfanlage, Hausform, Tür, Fenster, Dach, Flur, Stube,Möbel. Ein ganzes reich illustriertes Kapitel widmet der Verfasser der Entwicklung desBauernstuhles, Flechtarbeiten, Schnitzereien, Metall- und Tonarbeiten, Textilkunst werdenvorgeführt, Bauernschmuck und Bauerntracht gestreift. Weiter finden Pumpe, Brunnen,Bienenstand, Wagen, Schiff und Boot Besprechung und Abbildung. Bilder von Bauern-kirchen, Türmen, Weg- und Grabkreuzen, Denkmälern, Wasser- und Windmühle sinddem letzten Kapitel beigefügt.
Eine Arbeit wie diese will genau studiert und verarbeitet werden. Diese Besprechungsoll bloẞ kurze Inhaltsangabe sein. Mögen viele das schöne Buch kaufen. Dann wirdauch das Volk seine Kunstschätze kennen und achten lernen und vielleicht wieder zu denalten guten Formen zurückkehren.
Möge Schwindrazheims Buch auch die Herzen der Künstler und Gelehrten, ein-flußreicher Männer und Volksfreunde wenden zur Freude an unserer Bauernkunst!
Josef Blau.