Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

Urkunden und ist somit eigentlich eine kleine geschichtliche Monographie dieses Gaues,Im zweiten, kürzeren Theile schliesst der Autor eine Anzahl Sagen an, die entweder angewisse Ortsnamen oder volksthümliche Ausdrücke oder auch an alte Denkmäler, Ruinenoder dergleichen anknüpfen.

Freunde der Volkssage und Volkskunde werden diesem zweiten Theile jedenfallsmehr Interesse entgegenbringen; indessen wird das Gebiet, das der Verfasser behandelt, vonAusflüglern so häufig aufgesucht, dass auch die Geschichtsbilder des ersten Theiles beiVielen Anklang finden dürften. Besonders Ulrich von Liechtenstein's abenteuerlicheFahrten durch unser Gebiet", dann Die Belagerung Pittens durch Mathias Corvinus",ferner Die Entdeckung des Kaiserbrunnens und andere mehr.

Das Büchlein wendet sich in erster Linie wohl an das allgemeine Publicum, dieVolkskunde als Wissenschaft nimmt jedoch auch derlei Bausteine dankbar entgegen.J. Thirring.

9. O. Schwindrazheim: Deutsche Bauernkunst. Herausgegeben im Auftrageder Hamburger Lehrervereinigung für die Pflege der künstlerischen Bildung. Wien, MartinGerlach& Ko. XV und 168 S. Grossokta v. Mit über 500 Bildern. Geb., 15 Kr.

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Dem Volksforscher, der sich von den Landleuten Sagen, Meinungen, Überlieferungenerzählen läßt, der nach ihren alten Einrichtungsstücken, Werkzeugen und ähnlichem Grafflwerk forscht, der Hauspläne, Giebel, Walme, Tore, alte Zäune malt, wird nichtselten die berechtigte Frage vorgelegt, zu welchem Zwecke die studierten Leute alle dieseSachen abfragen und nachzeichnen. Ich antwortete meist in Kürze folgendes:, DenGelehrten und Schreibern in der Stadt sind die Ideen ausgegangen; sie wissen nimmer,was sie Rechtes schreiben sollen; die Kunsttischler suchen neue Moden für ihre Möbel, dieBaumeister neuartige Pläne für ihre Häuser. Und da finden sie, daß vieles, was dasLandvolk denkt und weiß und iut, in den meisten Stücken neu und wahr ist und Grundhat; daß vieles, was das Landvolk besitzt, seine alten Häuser und Einrichtungsstücke,die alte Tracht, viel an sich hat, was zu denken gibt und nachzumachen wert ist. Ihrwißt ja, man verachtet die gemeinen Leute nimmer wie vor Zeiten; man weiß jetzt,daß der Bauer der Kern vom ganzen Volk ist. Und da kommt man und will wieder von

ihm lernen."

Hundertfach sind die Fäden, die das wirkliche Leben mit der Volksforschung ver-knüpfen. Diese wirft Licht auf so manche neuzeitliche Erscheinung; insofern sie sichmit der Arbeit des Volkes befaßt, regt sie durch die Heraushebung des Nachahmungs-werten Geist und Wollen auch der Gelehrten und Künstler an und belebt das künst-lerische Schaffen der Gegenwart, lenkt es vielleicht in gesunde Bahnen.

Eine köstliche Frucht eingehender Studien über das künstlerische Schaffen desVolkes von alters her bis heute ist das vorliegende Werk. Obwohl das Gebiet unsererZeitschrift ziemlich weit überschreitend, hat es, abgesehen davon, daß es auch unserVaterland berücksichtigt, des Gegenstandes und der leitenden Gesichtspunkte wegen auchals Muster einer für uns erst zu leistenden Arbeit ebenfalls für den Österreicher hoheBedeutung.

Hoch ausgebildet ist im deutschen Volke der Sinn für schöne Formen, der natür-liche, naive Kunsttrieb. Zahllose Gebilde deutschen Fleißes von alter Zeit bis auf unsereTage, die Heimat und Fremde, Stadt und Land, Museen und Bildwerke uns aufbewahren,legen hiervon Zeugnis ab. In Isar- Athen hat sich unter dem geistigen Führer Zell derVerein für Volkskunst und Volkskunde gebildet, dessen eigenartige Zeitschrift bereits imzweiten Jahrgange steht. Architekt Franz Zell ist bereits mit einer Reihe höchst hedeut-samer Arbeiten über süddeutsche Volkskunst hervorgetreten, von denen ich das Dreißig-tafelwerk Bauernmöbel im bayrischen Hochland", das bereits im V. Jahrgang, S. 237unserer Zeitschrift die gebührende Würdigung fand, nochmals hervorheben will.

Den Gegenpol zur Arbeit der Bayern bildet Norddeutschland. In Hamburg bildetesich eine Lehrervereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung mit ganz allgemeinenZielen. Sie erstrebt künstlerische Bildung des Volkes. Sie hat durch Wort und Schrift fürdie Weckung des Kunstsinnes der Jugend durch die Schule gearbeitet, beschäftigt sich