Glaube und Gebräuche der Armenie: bei der Geburt, Hochzeit und Beerdigung. 105
Daher pflegen junge Hochzeitsgäste dieses zum Anlass zu nehmenund erlauben sich, der Schwiegermutter folgende Verse zu adressiren,aus denen sie entnehmen soll, dass von nun an die junge Frau dasFactotum im Hause sein wird, dieselbe aber bereits überflüssig ist:Schau hinaus, o Königsmutter,
Und sieh, was wir Dir gebracht haben!Wir brachten Dir eine Leichentuch- Näherin,
Wir brachten Dir ein Klageweib Glossar ::: zum Glossareintrag Klageweib für Deinen Tod!
Nach diesen Ceremonien folgt Fröhlichkeit, welche je nach denMitteln des Bräutigams manchesmal bis zum nächsten Tage dauert.Fünfzehn Tage nach der Hochzeit besucht der Bräutigam seineSchwiegereltern, für welche Gelegenheit früher eigene Ceremonienüblich waren.
Einen Monat nach der Hochzeit laden die Eltern des Bräutigamsdie Schwiegertochter und Bekannte zu Tisch, womit die Hochzeits-feierlichkeiten endgiltig ihren Abschluss finden.
Heute werden von den Armeniern nicht mehr alle jene Hoch-zeitsceremonien und Gebräuche geübt, die früher oder vielleichtauch heute noch, jedoch vereinzelt, in Armenien in Gebrauch sind.In der Bukowina und Romänien haben sie sich den Gebräuchen derRomänen angenähert und ihre Gebräuche mit den romänischenverschmolzen.
Das Eheleben der Armenier kann als ein mustergiltiges be-zeichnet werden. Bei denselben kommen Ehescheidungen gar nichtvor, zumal solche kirchlicherseits verboten sind.
Unter den Kindern einer Familie ist der erstgeborene Sohn derkünftige Erbe, dem die anderen Brüder Folge leisten und den dieSchwestern bedienen. Die Kinder erweisen ihren Eltern die tiefsteEhrerbietung und übertreten nie das Gebot ihres Vaters.
Während fünfzig Tagen nach Ostern pflegen die armenischenWeiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber Donnerstag Abends nach Sonnenuntergang jede Arbeit undauch das Nähen und Auskehren im Hause einzustellen, damit ihrKörper nicht erstarre, während die Männer diese Donnerstage denganzen Tag hindurch nichts arbeiten, damit ihre Felder vom Hagel-schlag verschont bleiben.
III. Armenischer Glaube und Gebräuche bei der Beerdigung.Sobald ein Armenier gestorben ist, pflegen sich seine Ver-wandten, Bekannten und Nachbarn in dessen Haus einzufinden, wosie die Familie des Verstorbenen trösten. Diese aber wehklagt un-unterbrochen und beweint den Todten, ja man pflegt sogar eigeneKlageweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Klageweiber zu bestellen und gut zu bezahlen, damit sie den Todten,so lange er im Hause ausgestellt bleibt und auf dem ganzen Wegebis zum Grabe beweinen.
Der Todte wird, nachdem ihm in die Hand ein Wachskreuz unddarauf ein Silbergeldstück gelegt wurde, in einen mit Blumen ge-schmückten Sarg gelegt.