Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen und grössere Mittheilungen.

Haussprüche und Haussegenaus dem salzburgischen Flachgaue.Von Carl Adrian, Salzburg.

Manches Bauernhaus unseres Landes ist in seiner Art ein wahresSchmuckkästchen, und mit aufrichtigem Vergnügen weilt das Augedes Wanderers auf den Einzelheiten, die sich ihm bemerkbar machen;die mannigfach geformten Geländerfüllungen, die oft bizarr aus-gestatteten Pfettenköpfe, die verschieden geschnittenen Luftlöcherund Tropfbretter, die zierlich gebauten Essthürmchen weisenhunderterlei Veränderungen auf. Fehlt auch im Flachgau dem Söllerder leuchtende Blumenschmuck, wie wir ihn so häufig im Gebirgetreffen, so schmücken doch auch hier brennendrothe Pelargonien,farbenprächtige Nelken und Fuchsien, duftender Rosmarin, blassesLeinkraut und rankende Kapuzinerkresse, sowie die bescheidene Haus-wurz das Fenster und den Gang.

Es sind dies dieselben Blumen, wie sie seit Urgrossvaters Zeitoder noch länger schon gezogen und gepflegt wurden; doch auch hiertreten allmälig Wandlungen auf, indem die sammtbraunen Calceo-larien, das glänzende Schiefblatt, Hortensien, Wachs- und Passions-blumen den früheren den Rang streitig machen.

Das gemauerte Haus zeigt hie und da das Stuckornament vonder reizendsten Rococoform bis zum steifen Empiremotiv; ein leiserAbglanz aus vergangenen Tagen, wo die Kunst vom Fürstenhof auch andem Haus des Landmannes nicht spurlos vorüberging. Auch des BildesZier fehlt nicht, der heilige Leonhard, Florian, Sebastian, Pantaleon,der riesengrosse St. Christophorus, die Gottesmutter von Maria Plainund Alt- Oetting sind der beliebteste Gegenstand der DarstellungFreilich ist die Ausführung in Farbe und Zeichnung möglichst einfachund unbeholfen; sie erinnert uns dabei unwillkürlich an die Miniaturenmittelalterlicher Bilderhandschriften.

Vom Regen fast zerstört, steht oft ein sinniger Spruch über derThüre und dem Fenster, wohl auch unter dem First; ungelenk istdie Schrift, mangelhaft die Schreibung, und doch hat der Spruch fürdie Bewohner des Hauses seine tiefe Bedeutung. Er gibt einem Ge-danken Ausdruck, der sie erfüllt, der nicht oft genug wiederholtwerden kann und den auch der Vorübergehende in sich aufnehmensoll. Gerade diese kurzen Sprüche üben oftmals den stärksten Einfluss

Zeitschrift für österr. Volkskunde. X.

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