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Literatur der österreichischen Volkskunde.
letzterer Hinsicht Angelsachsen und Normannen zur Sprache, obwohl die Wirksamkeitder Letzteren auf gallischem Boden erst im 10. Jahrhundert beginnt.
Die Bayern bleiben stets strenge beim Holzbau, von dem sie noch heute schwerabzubringen sind. Nach dem bayerischen Volksgesetze lässt sich das Wesen des Herren-hauses für die Vollfreien ziemlich leicht herausfinden. Die Wände bestanden aus einemBalkengerippe mit Ausfüllung, Zwischendecke war keine vorhanden, doch vielleicht eineVorlaube. Ställe dürften nur unvollkommen gewesen sein, da grosse Weidewirthschaftherrschte.
Fast ebenso waren die Häuser der Alemannen, nur hatten sie Stall und Scheuer.Die sogenannte Stube war ein besonderer Heizraum, unabhängig vom Hause, zum Badenund, wie wir hinzufügen möchten, zum Rösten des Flachses, Brotbacken und dergleichenLeibeigene hatten besondere Wohnbauten.
Für die Sachsen ist die aus dem 9. Jahrhunderte stammende EvangelienharmonieHeliand" massgebend, wo Christus als sächsischer Fürst mit seinen Edlen auftritt undalle Vorgänge der Bibel in specifisch sächsische Umgebung versetzt werden. Wenn derVerfasser auf Grund der Belege ein von dem Stalle getrenntes Wohngebäude anzunehmengeneigt ist, so dürfte dies wohl nur für die Höfe der Vornehmen gelten.
Scandinavien ist im Werke ein bedeutender Raum zugemessen und es werdenmangels anderer nur Bauten aus dem 2. Jahrtausend bis ins 3. Jahrhundert desselben undaugenscheinlich auch noch jünger behandelt, da dieselben geeignet wären, ein entsprechendesGemälde der Vorzeit zu geben, was mit einiger Einschränkung wegen der conservativenscandinavischen Verhältnisse zugestanden werden kann. Obwohl gerade hier eine reiche,weit zurückgreichende Literatur mit stark heidnischem Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischem Einschlage vorhanden ist, so wardie Ausbeute für den Wohnbau gering. Das Alter der gebrachten Bauernhausabbildungenwird kaum zu bestimmen sein. Der Zusammenhang zwischen den Herrenhäusern undKirchen wird zu erweisen gesucht, was sich eigentlich selbst versteht, da beide grosseRäume zu überdachen haben. Es wird auch auf die Analogie mit dem Schiffsbau auf-merksam gemacht, da derselbe im Lande eine grosse Rolle zu spielen hatte. Zum Hofeeines Edlen gehören ausser dem Versammlungshaus auch zahlreiche Wohn- und Wirth-schaftsgebäude. Die Verzierung verbreitete sich über alle freien Flächen der Hauptbau-hölzer und bestand in Schnitzerei und Färbung. Das Ornament ist ein phantastischstylisirtes Geschlinge, flach aus dem Holze herausgearbeitet.
Bei der Einrichtung ist die Bank häufig, auch für den Hochsitz des Königs, Stühlescheinen nicht vorhanden gewesen zu sein, Tische wurden nur zum Essen aufgestellt.Ausserdem gab es Betten, Kasten, Truhen, Schatzkästchen. Teppiche finden auch hierhäufige Anwendung.
Die Wohnverhältnisse der Angelsachsen in England sind aus dem um 700 verfasstenBeowulf- Liede zum Theile bekannt geworden. Die Grossen hatten dort, im eroberten Landeein befestigtes Haus. die Halle, meist aus Holz, in Fachwerk, den Herd mitten in derHalle. Ausserdem gab es noch besondere Wohn- und Wirthschaftsgebäude. Die Einrichtungist ähnlich der vorher beschriebenen.
Die Wohnungen der Normannen lernen wir aus dem berühmten Teppich in derKathedrale von Bayeux kennen, auf welchem die Gemahlin Wilhelms des Eroberers dieUnterwerfung Englands in Stickerei dargestellt hatte. Es sind also Verhältnisse einer vielspäteren Zeit, als der Titel des Buches anzeigt. Selbst fürstliche Bauten sind noch inHolz hergestellt und in den Verzierungen sind Formen vorhanden, die wir noch heute anscandinavischen Bauten sehen.
Aus dem angezeigten reichen Inhalt ist zu ersehen, dass der vorliegende Bandvon Stephani's Werk für einschlägige Forschungen unentbehrlich ist.
Der zweite Band bietet vom Standpunkte der Volkskunde wenig Ausbeute. Die bäuer-liche Forschung liegt abseits vom Studiengange des Verfassers. Bezüglich der anderen Gebietemüssen dagegen diesem Bande dieselben Lichtseiten wie dem ersten nachgerühmt werden.
Es werden in zwei Capiteln die karolingische und sächsische Kaiserzeit untersuchtund jeweilig die Anlagen der Klöster, der Kaiser und Herren der Städte u. s. w. in der