Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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viereckige Häuser mit ausgefülltem einfachen Fachwerk, den Herd in der Mitte undbesondere Wirthschaftsgebäude innerhalb des Zaunes. Von Einrichtungen waren stetsStühle und Bänke vorhanden, wenn auch der Tisch nicht als stets feststehend anzu-nehmen ist.

Capitel II bringt die Quellen für den Wohnbau vor und während der Völkerwande-rung. Die germanischen Stämme ballen sich zu grossen Verbänden, welche selbstständigeEntwicklung nehmen, wodurch sich gewisse Eigenheiten ausbilden. Solche waren gewissauch schon früher vorhanden, doch wegen geringerer Ausbildung weniger erkennbar.Die Markomannen wissen sich noch die Römer vom Leibe zu halten, wodurch sie einegrössere Ursprünglichkeit bewahrten, während Alemannen und Gothen gezwungen oderfreiwillig sich der Cultur nicht verschliessen. Die Ersteren hatten nach der Marc Aurel-Säule noch theilweise runde Rohrhütten mit Rauchloch und ohne Lichtöffnungen, wasdem Verfasser mit Grund zweifelhaft erscheint. Der Erörterung alemannischer Bauten gehtvor eine ausführliche Beschreibung der römischen Landwirthschaftsanlagen auf germanischemBoden, sowie der bereits zum Capitel I erwähnten Ausgrabungen. Eigenthümlich ist,warum sich der Verfasser grosse Mühe gibt, die Bemerkung des Ammianus Marcellinusder zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, die Alemannen hätten ganz ordentlich inrömischer Art" gebaut, auf Grundlage sehr ursprünglicher, der Zeitlage nach nichtbestimmbarer, jedenfalls weit zurückliegender vorgeschichtlicher Reste auf römischeBauten zu beziehen, nachdem er die Nachbarn der Alemannen als wohlbefähigt ansieht,beim Wiederaufbau von Städten zu helfen. Der Fachwerkbau in Süddeutschland istdoch römisches Erbe.

Ueber die Ostgermanen wird aus der gothischen Bibelübersetzung des Ulfilas im3. Jahrhundert geschlossen, dass sie das auch sonst noch lange anzunehmende einräumigeHaus mit Flechtwerkfüllung ohne Zwischendecke und vielleicht mit Vorlaube hatten.Einen breiten Raum nimmt die Schilderung des Palastes Attila's ein, eines gothischenBaues mit skythisch- asiatischen Einflüssen.

Capitel III handelt vom germanischen Wohnbau im eroberten Lande unter römischemEinflusse. Ueber die Westgothen in Spanien und Vandalen in Afrika lässt sich nur wenigvorbringen, von den Burgundern am Mittelrhein dagegen, dass sie geschickte Holzarbeiterwaren, wohl eine allgemeine Eigenschaft der Germanen. Interessant war die kurze Blüthe-zeit der Ostgothen in Italien unter Theodorich, wo mit Benützung römischer Kräftebedeutende öffentliche Bauwerke in classischer Nachblüthe geschaffen wurden, wasgenügende Beachtung findet.

Besonders ausführlich werden wie billig die fränkischen Bauten in Gallien be-leuchtet. Der Verfasser betrachtet der Reihe nach die keltischen und römischen Bauten,die der Franken im Stammlande und in Gallien und endlich die städtischen Bauwerke.Die keltischen Baulen waren theils kegelförmig und sehr bescheiden, anderentheils alsGebäude für Hausgemeinschaften viereckig, sehr umfangreich, mit drei Schiffen, wenndiese nicht etwa anderen Zwecken dienten. Die römischen Bauten weisen zuletzt grossenLuxus auf. Die Häuser der Franken im Stammlande sind gleich denen anderer Stämmeum diese Zeit, während in Gallien, wo die Franken den Adel bildeten, sie jedenfalls dierömischen Höfe bewohnten. Im städtischen Wohnbaue bleiben die antiken Formen zurNoth weiterbestehen, daher man mehrräumige und auch mehrgeschossige Häuser an-nehmen muss, letztere aber gewiss selten. Ausserdem gab es schon neuerbaute Burgenund Kirchen in Stein, wofür die Beweise stets beigebracht werden. Als Einrichtung findenwir reichlich Stühle, Bänke, Tische, Betten, Truhen, schön verzierte Schmuckkästchen,Beleuchtungsgegenstände, auch schon religiöse Bilder und auch profane Ziergegenstände,vermuthlich aus römischer Zeit erhalten. Die Frauen, von den Königinnen angefangen,beschäftigen sich stets mit weiblichen Nutz- und Zierarbeiten in Stickerei und Posamenterie,und Teppiche spielten in den Prachtgemächern und im Haushalte eine bedeutende Rolle.Capitel IV schildert den entwickelten Wohnbau auf heimatlichem und fremdemBoden nach der Völkerwanderung, soweit dies nicht schon früher geschehen ist. Eskommen hier in ersterer Hinsicht Bayern, Alemannen, Sachsen und Scandinavier, in