Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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10 (1904) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Todtenbretter in der Gegend von Neuern, Neumark und Neukirchen.

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solcher Brauch erhielt sich bis in die neueste Zeit herein. Auf demFriedhofe in Hirschau standen, wie mir Frau Theresia Zoglmann, einegeborene Hirschau- Friedrichsthalerin, erzählt, noch in ihrer JugendTodtenbretter. Das Todtenbrett der Anna Grassl( auf dem Bilde Fig. 35das dritte) aus Silberberg stand zuerst auf dem Friedhofe in Putzeriedauf dem Grabe der Verstorbenen. Erst als zwölf Jahre später( 1878)noch ein Sohn starb, erhielt dieser ein ähnliches Todtenbrett undbeide miteinander ein Kreuz. Die beiden Todtenbretter( das vomGrabe wurde wieder heimgeholt) stehen jetzt beisammen, wie auf BildFig. 35 zu sehen ist. Die Schrift am zweiten besorgte der WaldhegerFranz Kautnik, die Holzarbeit an beiden der Vater der beiden Ver-storbenen, ein Drechsler; die Arbeit ist es werth, dass man sie gutbetrachte. Ueberhaupt bietet die Sammlung der Silberberger Todten-bretter am Föhrenberge einen höchst interessanten und unvergess-lichen Anblick von alterthümlichen Formen, die sonst nirgends imganzen Todtenbrettergebiete vorkommen. Noch dazu knapp an derScheidegrenze zwischen zwei Volksstämmen, in einem Orte, der seit116 Jahren zu einer čechischen Pfarre gehört. Das beigefügte BildFig. 35 möge eine Anschauung nothdürftig vermitteln. Die Bretterjedoch, die tiefer im Schatten des Waldes stehen, sind darauf nichtzu sehen.

VI.

Der Brauch, Todte auf Bretter zu legen, schwindet. Selbst imholzreichen Böhmerwalde erscheint er verschwenderisch. Wohl-habendere Leute üben ihn schon längst nicht mehr. Doch kommtes auch vor, dass diese einem Todten, der bis zur Beerdigung aufeinem Strohsacke im Bette gelegen, doch beim Tischler ein Brettmachen lassen, der das Andenken an den Seligen wach erhalten soll.Andere verwerfen den Brauch überhaupt.

Es gibt ausser dem hier eben angeführten noch mehr Fälle, woder Todte nicht auf dem Brette gelegen ist und dieses nur demAndenken dient.

Zum Beispiel das Brett des Michl Mailond in der Schwarzau,der im Alter von 23 Jahren als» Zugsführer beim k. k. Jägerbataillon«am 4. October 1882 gestorben ist.

Spruch und Kopfschrift sind grün auf schwarzem Grunde, rundum die Schrift ein Kranz. Das Brett wurde in Neumark gemalt.

Auf Bild Fig. 35 zeigt das erste Brett ein aufgenageltes Blech-täfelchen. Es dient dem Andenken eines in der Fremde( Linz)gestorbenen Bruders:

Dort ruhet in Gott!Johann Grassl,

lediger Weber,

welcher am 27. April 1893 versehenmit dem hl. Sterbesakramente im 58. Lebensj.selig im Herrn entschlief.