I. Abhandlungen und grössere Mittheilungen.
Das typische Bauernhaus im Böhmerwalde.Von Josef Schramek, Freiung.
( Mit 33 Textabbildungen.)
Bei der bedeutenden Längenausdehnung des Böhmerwaldes( 200 km) ist es selbstverständlich, dass der bäuerliche Baustyl nichtüberall ein einheitlicher sein kann. Auch übt die Nachbarschaftöstlich jene der meist čechischen Flachlandbewohner, westlich jeneder bayrischen und oberösterreichischen Nachbarn einen bedeu-tenden Einfluss auf den Baustyl aus. Nimmt man jedoch die Bezeich-nung der Böhmerwald« nicht in ihrer geographischen, weiterenBedeutung, sondern in der engeren und allgemein landläufigen,versteht man also unter dem Böhmerwalde nur die höheren Lagendes mittleren Böhmerwaldes, insbesondere seines bewaldeten Kammes,so kann man auch von einem einheitlichen Styl des Böhmerwald-Bauernhauses sprechen. Streng genommen, muss man von zwei Typensprechen, und zwar von dem eigentlichen Hochgebirgshause, dessen Ver-breitungsbezirk von der Gegend von Grün an etwa bis gegen Wallernreicht, und von dem Wallerner( oder Wallinger) Hause, dessen Ver-breitungsbezirk ein kleiner, mehr localer ist, und von dem deshalbnur im Anhange kurz die Rede sein soll.
1. Das Hochgebirgshaus.
1. Die Anlage. Die Häuser des Hochgebirgsdorfes stehen zerstreut;das Bauernhaus steht mit seiner Längsseite von Nord nach Süd ge-richtet, und die in ihr befindliche Hausthür ist nach Osten, der Sonnezugekehrt; so auch die zwei Stubenfrontfenster( während die anderenzwei nach Süden gerichtet sind). Mehr als die menschliche Neigung,der Wunsch, dem Lichte und den erwärmenden Strahlen der Sonnezugekehrt zu sein, sind hiebei die Terrainverhältnisse bestimmendgewesen; denn wir sehen, dass bei Strassen- und Runddörfern dieserGrundsatz nicht streng festgehalten wird, wiewohl das ganz gut seinkönnte und hie und da auch der Fall ist, insbesondere bei Runddörfern,wo die Front nicht immer dem Ortsplatze zugekehrt, sondern die Häuserin dieser Anordnung( Fig. 1) gebaut sind( wobei mit den punktirtenLinien Nebengebäude, Scheune und» I- Häus'l« bezeichnet sind). Manfindet somit auch Häuser mit nach Süd und Nord, ja auch nach Westgerichteter Hausthüre, zumal dort, wo der freie Wille beschränkt wurde,
Zeitschrift für österr. Volkskunde. X.
1