Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Abhandlungen und grössere Mittheilungen.

Neujahrsgebäcke.*)

( Mit 36 Abbildungen auf Tafel VI- VIII.)

Von Dr. M. Höfler, Bad Tölz.

Das moderne Neujahr beginnt mit dem ersten Jänner seit der all-gemeinen Einführung des Gregorianischen Kalenders( 1582). Nach demsogenannten Circumcisionsstyl der Kalendermacher ist dies der Tagder Beschneidung Christi, im Gegensatze zum Nativitätsstyl derselben,welcher den Geburtstag Christi( Weihnachten) zum ersten Tag desJahres machte. Ueberhaupt gibt es keine Jahreszeit und fast keinenMonat, in welchen nicht bei den verschiedenen Völkern und Volks-stämmen das Jahr einmal begonnen hätte. Der römische Kalendervon Julius Cäsar liess das Jahr mit dem 1. März beginnen( daherpanis martialisMarzipan, Neujahrsbrot); der byzantinische mit dem1. September; der jüdische mit Ostern. In verschiedenen GegendenDeutschlands begann das Neujahr mit dem neuen Wirthschaftsjahre,zum Beispiel mit Petri Stuhlfeier( 18. Jänner in Rom; 22. Februarausserhalb Rom); in der Erzdiöcese Trier begann es nach dem so-genannten Annunciationsstyl mit dem ersten Tage der Schwanger-schaft Mariä, das heisst mit Mariä Verkündigung( 25. März). In Englandwurde dieser Rechnung( 25. März= Neujahr) die römisch- christlicheRechnung( 25. December Neujahr) geradezu gegenübergestellt. Inder päpstlichen Kanzlei herrschte anfangs die weihnachtliche Neujahrs-datirung vor; erst von der Mitte des 10. Jahrhunderts ab machte sichneben dieser bis 1088 der 25. März als Neujahrstag in der Form dersogenannten florentinischen Rechnung geltend. Das Schuljahr hattezum Theile den Ostertag als Jahresanfang beibehalten. Die Kalendarienwestdeutscher Klöster beginnen im Mittelalter häufig mit dem Augustals Neujahr wegen der Neuverpachtung des Klosterbesitzes.( A. Tillein der wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung, 1895, Nr. 35.)Bei den Germanen war der Abschluss der Weidezeit der Beginn desWinters und damit des wirthschaftlichen Neujahrs( Ende September,St. Michael oder Anfang October), das sich auch local etwa bis Martini

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*) Die Originalgebäcke zu den Abbildungen derselben verdankt Verfasser der Güteder Damen: Excellens v. Stülpnagel, Fräulein v. Maier, Fräulein Schnitzler- Erckens,Frau Pastor Smith, Frau v. Linden- Tol, Fräulein Lemke, Frau Justizrath Gravenhorstsowie der Güte der Herren: Pater Cyprianus, Pfarrer Gimmi, Pfarrcurat Frank undDr. Frischauf.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. IX.

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