Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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vor

Młynek.

und Zweigen kommen an den Salzfiguren doldenartige Feldblumen,Birken- und Eichenblätter, Zweige der Nadelbäume am häufigstensehr ähnlich sowie die an den Ostereiern(" pisanki«), an denBauernhemden der Männer und Frauen besonders aber die an denaus Holz geschnitzten Hausgeräthen: Kästen, Schränken, Bänken undTischen, welche in Wieliczka an gewöhnlichen Markttagen feilgebotenwerden. Kurz, der Wieliczkaer Bergarbeiter nimmt die Motive undMuster zu seinen Salzschnitzwerken von der ihn umgebenden Welt.Was er um sich her sieht und daran einen Gefallen findet, dastrachtet er aus Salz zu schnitzen zu hauen. Manche Schnitzwerketragen an sich ein alterthümliches Gepräge und geben dem ForscherAnlass zu mancherlei wissenschaftlichen Bemerkungen.

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Das Material, aus welchem die Salzschnitzereien erzeugt werden,bildet meistentheils das sogenannte» Schybiker«-Salz(» sól szybikowa<<),welches in Säulen, Tafeln, Würfeln und anderen geometrischen Salz-körpern krystallisirt. Es ist farblos, durchsichtig wie Glas( szybaScheibe), dabei so spaltbar und weich, dass es sich leicht mit demMesser schneiden und schnitzen lässt.

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In Wieliczka leben nur einige Familien von Bergarbeitern, diesich seit den ältesten Zeiten nebst ihrer Arbeit in dem WieliczkaerSalzbergwerke auch mit dem Salzschnitzen beschäftigen. Sie thun esnicht so sehr zum Vergnügen und aus Zeitvertreib, als vielmehr, umauf diese Weise zu ihrem Lebensunterhalte etwas beizutragen DasSalzschnitzen bringt ihnen nämlich manchmal einen schönen Neben-gewinn, und Viele haben sich davon Häuser gebaut und einige JochAckerfeld angekauft.

Früher, als es von der Salinenbehörde erlaubt war, die WieliczkaerSalzbergwerke in grösseren Schaaren zu besichtigen, war dieser Neben-gewinn der Wieliczkaer Bergarbeiter bedeutend grösser. Jetzt ist erschon kleiner geworden aber es lohnt sich ihnen noch, aus Salzmancherlei Figuren zu verfertigen.

Die Bergarbeiter, welche die» Figuren« aus Salz schnitzen,heissen» Figuranten( figuranci)« und ihre Erzeugnisse» Salzfigürchen( figurki ze Soli)«.

Die» Figuranten« bedienen sich bei ihrer Arbeit verschiedenerWerkzeuge, wie: der Messer(» noze«), Bohrer(» borki«), Meissel(» majzle«), Sägen(» piłki«) und der Zirkel(" cyrkle«). Die Bohrerund Meissel drehen sie beim Bohren des Salzes vermittelst hölzernerBögen, die, mit dünnen Schnürchen bespannt, die Gestalt der Geigen-bögen haben. Das» Schybiker«<- Salz, welches sie zum Schnitzen ge-brauchen, bekommen sie im k. k. Salinenamte, indem sie für 20 kgdesselben 7 Kreuzer zahlen.

Damit die Salzschnitzereien nicht leicht zerbrechen, werden siemit lauem Wasser gewaschen und an der Sonne oder am warmenOfen getrocknet. Die besten und schönsten Salzfigürchen erzeugen