Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mittheilungen.

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zieht seinen Pelz aus und wirft ihn dem alten kleinen Männchen um und schreit: Steig'ein zu mir, sonst erfrierst Du!" Und wie er so spricht, sieht er plötzlich vor sich einenhohen alten Mann mit langem weissen Bart, ganz weiss gekleidet und in der Hand hälter einen Stock mit Silberknopf. Was ist das? denkt sich der Kaiser, denn er war sehrerstaunt. Jener aber sagte: Weisst. Du, ich bin Elia der Prophet, ich bin gekommen,Dick zu versuchen. Denn es wurde im Himmel beschlossen, dass Du dereinst Kaiserwerden sollst. Da kam ich herunter, um mich zu überzeugen, was für ein Herz Du hast,denn Du wirst über viele, viele Menschen zu befehlen haben, Weil ich gesehen habe, dassDu so barmherzig bist, verspreche ich Dir, Dich vor Allen zu beschützen, die Dir nachdem Leben trachten werden." Dann setzte er sich zu ihm in den Schlitten, wies ihm denrichtigen Weg und verschwand, Und Elia der Prophet hielt Wort. Es kam vor, dass einFeind des Kaisers ein jeder Kaiser hat ja viele Feinde sich von hinten an ihnheranschlich, um ihm das Leben zu nehmen, aber Elia der Prophet war dabei und ver«hütete unsichtbar das Unglück."

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Die zweite Sage, die mir der Alte erzählte, lautete wie folgt:

Einmal, in früheren Zeiten, da war noch Alles anders und da hatten die jüdischenSoldaten noch keine Erlaubniss, am Jom Kippur in die Synagoge zu gehen, sondernmussten den Dienst verrichten. Da stand einmal ein jüdischer Soldat auf der Wache undes war gerade Abends zu Kol Nidre*) und gerade gegenüber war eine Synagoge. Da sahder Soldat durch die Fenster. wie alle Lichter brannten und die Juden versammelt waren,und hörte, wie sie beteten in Taleth und Kittel gehüllt, und er musste nun dastehen vorseiner Bude mit dem Gewehr auf der Schulter und durfte sich nicht rühren. Und wie dieJuden so immerzu beteten, fing dem Soldaten an, sein Herz hinzuziehen, und er konnte esnicht mehr aushalten; er wusste selber nicht, wie es ihm war und was mit ihm geschah,er liess das Gewehr hinabsinken und ging so ein wenig hin, Schritt um Schritt, bis erganz bei der Synagoge neben dem Fenster stand und mitbetete und ganz vergass, dasser Soldat war und auf der Wache zu stehen hatte. Unser Kaiser aber ist ein guter Wirth,verlässt sich nicht auf seine Untergebenen, sondern liebt es, selber nach dem Rechten zuschauen. So ging er denn auch diesmal, als gewöhnlicher Officier verkleidet, umher, umnachzusehen, ob die Soldaten auch gehörig die Stadt vor dem Feinde bewachen. Wie ernun zu unserem Wachposten kommt und Alles sieht, was thut unser Kaiser? Er fasst dasGewehr an, stellt sich auf den Posten und wartet, bis der arme Soldat fertig ist. Ihrkönnt Euch denken, wie unser Soldat zu Tode erschrak, als er zurückkam und sah, werda an seiner Stelle Wache hielt. Nun gibt es ein Gesetz, dass, wer die Wache verlässt,mit dem Tode bestraft wird. Am zweiten Tage sollte der Soldat erschossen werden. BeimMilitär gibt's keinen Spass, wenn Einer was verbrochen hat, so hat er seinen Kopf ver-wirkt. Als er zur Richtstätte geführt wurde und man ihm schon die Augen verband, dadachte er bei sich: Mit mir ist es aus, es bleibt mir nur übrig, das Sündenbekenntniss zusagen und Schema Israel***) auszurufen. Aber da erschien plötzlich der Kaiser, auf einemPferd herbeisprengend, legte die Hand auf den Kopf des Soldaten, und wen der Kaisereinmal berührt hat, den darf man nicht hinrichten. Dem Soldaten wurde also das Lebengeschenkt, aber seit damals befahl der Kaiser, dass allen jüdischen Soldaten der JomKippur freigegeben werde, und so hält man es bis auf den heutigen Tag."

*) Der Vorabend des Versöhnungstages,

halten wird.

an dem feierlicher Gottesdienst ge-

**) Höre Israel" das jüdische Glaubensbekenntniss.

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