Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Grienberger.

Gleich der Verzahnung, die in allen ihren Theilen verstandengelöst ist, entbehren auch die Thür- und Fensterchambranen imAllgemeinen nicht dieser Vorzüge.

So ist erstere eine von Säulen getragene Gebälkarchitektur,während letztere die constructiven Theile des Fensters, Sohlbank,Sturz und Träger aufweist.

Alle diese Formen entsprechen im grossen Umriss den Architektur-gesetzen, und nur die Detailgliederung lässt eine naive Auffassungder Elemente erkennen.

Dieselbe spricht sich besonders in der als Contour wiedergegebenenUnterschneidung der Hängeplatte aus, sowie die Aneinandergliederungrunder Elemente ohne Trennungsplättchen eine gewisse Freiheit imGebrauche der Motive bekundet.

Die innere Stockwerksuntertheilung drückt sich auch amAeusseren des Baues zumeist durch eine Fasche aus.

Dieselbe ist als vielfarbiger Zopf oder als breites Band gekenn-zeichnet; sie zieht sich an dem Giebel wie an den Längsmauern alssäumender Abschluss entlang.

Auch die einzelnen Glieder der Architektur wechseln bei viel-farbiger Anlage von Element zu Element ihr Colorit.

Einfachere Bemalungen sind jedoch nur in Grau ausgeführt,welche dergestalt umsomehr an Sgraffiten erinnern.

Das schon ziemlich lebendige Bild erhält noch durch ander-weitige freie Zierden ein reicheres Ansehen, indem ornamentale wieanimale Compositionen, die Flächen füllend, hinzutreten.

Vorzüglich sind die Heiligen dazu ausersehen, einen Wand-schmuck abzugeben und es spielen der heilige Georg und der heiligeFlorian dabei eine der Hauptrollen.

Auf der Fasche, auf dem Kranze der Thürverdachung und aufdem Schlussgesimse der Fenster stehen zierliche Blumenvasen vollprangender Sträusse; es tummeln sich darauf Thiere des Waldes, wiedie Gemse oder der Hirsch.

Von Versuchen der Maler, in figuraler Beziehung mehr alsdie conventionellen Heiligenfiguren zu wagen, haben wir nur einBeispiel angetroffen.

In Vorder- Göriach lenkten zwei stramme salzburgische Grenadiereunsere Aufmerksamkeit auf sich, die, zu den Seiten des Eingangespostirt, offenbar Wache zu halten haben.

Im Sinne religiösen Eifers waren auch die Initialen Christiund Mariens nicht vergessen worden, die in einem Rahmenwerkeingeschlossen zur Vertheilung gelangen.

Die Schäden der Witterung machen sich am Fusse der Bautenbesonders bemerkbar, weswegen die Lösung des Fusses der Ver-zahnung meistens fehlt.