Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Lungauer Kornspeicher.

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Indem wir diesem Decor uns ausschliesslich zuwenden, fassenwir aus den Bauten der Ansiedelungen besonders einen Wirthschafts-bau heraus, an dem die eben genannte Auszier am besten undhäufigsten erhalten geblieben ist.

Die in Rede stehenden Objecte sind Speicher, die entwederneben, gewöhnlich aber dem Hause gegenüber stehen.

Sie sind, im Gegensatz dieser andernorts aus Holz üblichen Bauten,hier aus Stein ausgeführt.

Es ist erklärlich, dass das Wohnhaus im Laufe der Zeit oftmalssein Kleid wechselte, wird doch ihm allein vom jungen Landwirthedie grösste Sorgfalt zugewendet. An ihm ist daher der Decor fastganz verschwunden.

Wenden wir uns wieder den Speichern zu, die unter dem Namen» Kasten allgemein bekannt sind, so sehen wir, dass sie, im Gegen-satz zum Hause, meistens seit ihrer Erbauung unverändert ge-blieben sind.

Es fehlte offenbar für sie eine zwingende Nothwendigkeit derErneuerung, und es dürfte der Besitzer an ihm nur dann sein er-höhtes Wohlgefallen gehabt haben, sobald er voll gefüllt, kein Säckchenmehr zu fassen vermochte.

Der Kasten entsprach aber nicht allein dem Zwecke der Vorraths-kammer, sondern er diente auch als Aufbewahrungsort von Werth-gegenständen, ja selbst von Geld.

Aus diesem Grunde ist es begreiflich zu finden, wenn für dieSicherheit des Gutes schon bei der Erbauung besonders Bedachtgenommen wurde.

Auf rechteckigem Grundrisse erheben sich die vier aus Findlingenerbauten Mauern, die an der Schmalseite mit einem Giebel von90 Grad endigen.

Dem Lager der vier Mauerecken sind in der Regel grössereBachblöcke vorgelegt, die dem Bauwerke als feste Stütze dienen.

Das Grössenverhältniss der Grundrissdisposition ist durchschnitt-lich 57, bei einer Firsthöhe von 6 bis 7 m.

Stets befindet sich der rechteckig oder strebbogig abgeschlosseneEingang an der dem Hause zugekehrten Stirnseite und ausser derFensteröffnung über der Thüre, einer gleichen an der gegenüber-liegenden Schmalseite und den Luken an den Dachwinkeln, findensich keine Fenster am Hause vor.

Die aufgezählten Lichtöffnungen genügten zur Erhellung desInnenraumes.

Dieser ist für gewöhnlich der Höhe nach durch einen Holzbodenuntertheilt, zu welchem Geschosse eine Leitertreppe emporführt. DerBodenausschnitt, durch den die Treppe führt, wird mittelst einer Fall-thüre geschlossen.