Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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9 (1903) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Stolz.

Diese beiden Strophen sind zugleich ein Beleg der echt volks-thümlichen dialogischen Form, die sich allerdings nicht allzu häufigfindet, wie mit Recht Otto Rieder in seiner bereits erwähntenerschöpfenden Abhandlung» Todtenbretter im bayerischen Walde,mit Berücksichtigung der Todtenbretter überhaupt«, Zeitschrift fürCulturgeschichte, neue( 4.) Folge, II( 1895), S. 107, Fussnote 99, unterVerweisung auf v. Hörmann» Grabschriften und Marterln« I, 20( Zwiegespräch zwischen der gestorbenen Gattin und dem überlebendenManne zu Oetz in Tirol) hervorgehoben hat. Auch in Zell selbst hatfrüher die Sitte geherrscht, wie ich aus den Mittheilungen meinesFreundes Dr. W. weiss, der in den Sechzigerjahren des vorigen Jahr-hunderts dortselbst seinen ständigen Aufenthalt hatte. Als letzten Restsah ich ein viereckiges Brett mit der Aufschrift

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an der Seite eines halbverfallenen Hauses in der Dreifaltigkeitsgasse.Auch das von Fräulein Eysn( vergl. Hein Nr. 56) südlich von Zellgesehene Todtenbrett ist noch vorhanden, nämlich an der Scheunedes» Tischlerhäusls«( Wirthshaus, ungefähr 20 Minuten von Zell aufder Strasse nach Kaprun). Das Brett ist der Erinnerung an den imJahre 1875 verstorbenen Tischlerhäuslwirth Josef Wieser geweiht,dessen pietätvolle Nachkommen das Andenken des Familienhauptesauch auf dem Friedhof in Zell durch zwei Monumente( gusseisernesGrabkreuz und eine in die Kirchenmauer eingefügte Steintafel) geehithaben, von denen letztere die folgenden Verse aufweist:

Die in Thränen hier sich sehnen,Finden sich im Vaterland;Was hienieden bang geschieden,

Geht dort selig Hand in Hand.

Im Salzachthal( Bruck, Fürth, Kaprun), wohin ich wiederholtkam, fand ich keine Spuren des Brauches der Todtenbretter. Ebensosah ich mich in Oberkrimml vergeblich nach solchen um, obwohlmir mein liebenswürdiger Hausgenosse in Zell, Herr Oberst v. K.,der ein paar Jahre vorher den Sommer in Oberkrimml zugebrachthatte, auf einem Spaziergang durch den Kollingwald versichert hatte,auch dort Leichenbretter gesehen zu haben. Leider konnte ich meineAbsicht, den oberen Pinzgau noch einmal zu besuchen, nicht mehrausführen und mich also nicht durch den Augenschein davon überzeugen, ob der Brauch der Leichenbretter dort anzutreffen sei odernicht. In Fusch und Rauris weiss man sicher heutzutage nichts mehrdavon, da nirgends irgend welche Spuren zu finden sind. Ob dereinstim ganzen Pinzgau die Sitte des Anbringens der Leichenbretter ge-herrscht hat, was ja an und für sich entschieden als wahrscheinlichbezeichnet werden muss, darüber stehen mir keinerlei Nachweisezur Verfügung, denn auch in den» Mittheilungen der Gesellschaft fürSalzburger Landeskunde« habe ich keinerlei Angaben über unseren