I. Abhandlungen und grössere Mittheilungen.
Ueber die Leichenbretter im Mittelpinzgau.
Von Fr. Stolz, Innsbruck.*)
In einem höchst lesenswerthen Aufsatze» Die Todtenbretter imBöhmerwalde«( Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft inWien, Band XXI. S. 85-100) S. 99 schreibt Dr. Wilhelm Hein:» ImSalzburgischen traf ich sie( die Todtenbretter) horizontal an Scheunenoder Bäumen angenagelt( vergl. P. K. Rosegger, Leichbretter, Heim-garten, III. Jahrg., 1879, p. 716, und Volksleben in Steiermark,p. 153-162); Dr. A. Petter, Director des städtischen Museums Carolino-Augusteum in Salzburg, schrieb mir, dass auf ihnen drei Kreuze,die Anfangsbuchstaben des Namens und oft I H S oder ein Herzeingeschnitten oder gemalt sind. Man legt sie vorzüglich auf sumpfigeStellen der Kirchensteige, damit der über sie Schreitende ein Vater-unser zum Frieden der armen Seele bete. Am meisten kommen sieim Ober- Pinzgau vor, wo sie an Scheunenwänden in der Nähe derWege angenagelt erscheinen«. Derselbe Verfasser hat später in dervon der Anthropologischen Gesellschaft in Wien zur Begrüssung derTheilnehmer an der gemeinsamen Versammlung der Deutschen undWiener Anthropologischen Gesellschaft in Innsbruck herausgegebenenFestschrift eine Abhandlung über» Die geographische Verbreitungder Todtenbretter« veröffentlicht, in welcher er in höchst dankens-werther. Weise auch die» Topographie der Todtenbretter im Herzog-thum Salzburg festgestellt hat. Nummer 40 bis 56 des Verzeichnisseszählen Fundstellen aus dem Gebiete von Saalfelden- Zell- Leogangauf mit einigen kurzen Bemerkungen über die Form dieser Bretter,ihre Bezeichnung und Ausschmückung. Insbesondere dankenswerth
*) Als ich nach Vollendung dieses Aufsatzes die neueren Jahrgänge der„ Zeit-schrift für österreichische Volkskunde" und der Zeitschrift des Vereines für Volkskunde"einer nochmaligen Durchsicht unterzog, fand ich im VIII. Jahrgang( 1898) der letzterenS. 205-209 einen Aufsatz von Marie Eysn, Todtenbretter in Salzburg", dem eineKarte über die Verbreitung dieser Bretter im Herzogthum Salzburg und vier Abbildungenbeigegeben sind. Da die von mir besuchte Gegend nur ganz oberflächlich gestreift ist,sind diese Zeilen nicht nur nicht überflüssig, sondern dürften sogar geeignet sein, zu bessererAufklärung zu dienen. Ich habe nach Durchsicht des Aufsatzes von Fräulein Eysn anmeinen Ausführungen nichts geändert, da in ihnen nur Beobachtungen, die ich selbstgemacht, und Erkundigungen, die ich eingezogen habe, enthalten sind. Eine kurzeNotiz über die Aufstellung der Todtenbretter im Böhmerwald findet sich in der„ Zeit-schrift für österreichische Volkskunde" VII( 1901) S. 69.
Zeitschrift für österr. Volkskunde. IX.
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