Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kaindl.

muthwillige Junge dem anderen übers Gesicht strich und ihn so zumZorne reizte; wären nicht Aeltere dazwischengetreten, so wäre es auchzu Prügeleien gekommen. Noch an demselben Tage ging ich mit derMutter zum Onkel, um ihn auf die Feiertage zu bitten.

Am Montag, Dienstag und Mittwoch wurde das Haus aussen undinnen geweisst; Alles wurde gereinigt und in Ordnung gebracht,denn es ist Sünde, in einem Hause Ostern zu halten, wo nicht überallOrdnung ist. Ferner besorgte man in diesen Tagen alle Einkäufe undbegann schon Manches zu backen.

Am Donnerstag Abends gingen Alle vom Hause in die Kirche.Die Mutter nahm ein Band mit und machte beim jedesmaligen Läuteneinen Knoten in dasselbe. Ein solches Band ist ein Hilfsmittel gegenMagenschmerzen. Umgürtet man sich nämlich mit einem solchenBande, so hören die Magenschmerzen auf. Ferner pflegen die Leute,wie ich in der Kirche bemerkt habe, bei jedem Lesen des Evangeliumsden Kopf unter den Ornat des Priesters zu stecken, da dies gegenKopfschmerzen hilft.

Nachdem wir dem Evangelium und der Grablegung beigewohnthatten, gingen wir nach Hause.

Am Freitag wurde nicht gearbeitet, da dieser Tag geheiligt istIn der Kirche schweigen die Glocken; dafür liess sich das» Klappern«hören. Es ist nämlich Sitte, von der Grablegung bis Sonntag Früh(» bis man nicht, Chrystos woskres' singt«) nicht zu läuten, sondernauf ein Brett mit Klöppeln zu schlagen, was man Klappern( klepaty)

nennt.

Samstag wurde alle Arbeit vollendet. Schon spät in der Nachtlegte ich mich zu Bette; die Mutter und die Schwester schliefen garnicht.

Sonntag ganz früh, etwa um halb 3 Uhr, weckte mich die MutterIch zog neue Kleider an, wusch mich mit kaltem Wasser, in welchesein silbernes Geldstück, Basilienkraut und ein rothgefärbtes Osterei( halunka, krasanka) hineingelegt worden war. Ich muss noch bemerken, dass alle Mitglieder einer Bauernfamilie dasselbe Wasser be-nützen. Es wäscht sich daher Jeder schon am Samstag gehörig ab,damit das Wasser nicht zu sehr schmutzig werde.

Nun begann die Mutter für die» Weihe«< Alles vorzurichten. Inden mit Papier schön ausgelegten Korb legte die Mutter am Bodeneinige Stücke von der» Paska«( Osterbrot) und ihr sorgfältig inPapier eingewickeltes Gebetbuch. Hierauf gab sie hinein einige StückeSpeck, Schinken, gefärbte Ostereier sowie ungefärbte Eier, und zwartheils abgeschält, theils unabgeschält, ferner in die Mitte einenkleinen Stössel Salz, von beiden Seiten in kleinen Tellern Käse undButter, beides schön geformt und verziert. Auch Knoblauch, Krenund andere Gewürzpflanzen, ferner auch allerlei Backwerk legte siehinein. Von oben lag nahe am Rande eine grosse Wurst; sie ist