Huhn und Ei in Sprache, Brauch und Glauben des Volkes im oberen Angelthale. 235
heisst halt das Eiersammeln
ojasamln
einen anderen Namenhat er nicht. Auch Schmalz wird gesammelt. Oft haben sie auch eineHenne gestohlen, wenn sie grad eine erwischt haben. Die Mädchenhaben ihnen rothe Eier gegeben. Sie gingen auch über die Hühner-nester. Zum Sammeln hatten sie eine» Kirm«. In Chudiwa mussüberdies jedes Mädchen den Burschen einen» Seelerweck« kaufen.Das ist ein Striezl. Das Alles verzehren die Burschen. Das war früherauch bei uns der Brauch. So in Flecken.
In der Iglauer Sprachinsel*) findet das Eiersammeln in der Nachtvom Ostersonntag auf den Ostermontag statt. Dort gehen die Burschennur zu den ledigen Mädchen aufs Sammeln.
Der heilige Geist( da hale gäsd). Er hängt in Gestalt einer Taubeheute noch bei manchen Bauern über dem Tisch in der Ecke vonder Decke. Er wird auch noch hie und da in alten Bauerncapellenangetroffen. Der Rumpf wird von einer Eiergucken gebildet, die mitbunten Seidenfleckeln, Goldpapier, auch Binsenfaum bekleidet ist.Der Kopf ist aus Wachs geformt, Schweif und Flügel aus fächer-förmig gefalteten Seidenstoff. Füsse sind keine daran.
In Possikau( Postřekov) nordwestlich von Taus, an der Grenzedes Bischofteinitzer Bezirkes, beschäftigen sich mehrere Personen mitder Erzeugung von sogenannten holubičky- Täubchen. Sie werdenaus Eierschalen wie der oben beschriebene heilige Geist und auchaus Holz angefertigt und dienen in den Stuben der dortigen czechi-schen Bauern als Zimmerzierde. Sie werden in die Fenster oder anandere günstige Stellen gehängt. Inwieweit unser» heiliger Geist«<,der eine entschieden religiöse Bedeutung hat, mit den czechischenholubičky zusammenhängt, ist mir unklar; doch glaube ich auf eineblosse Ideenconformität schliessen zu dürfen; mit der unseren hatjene Gegend gar keinen Verkehr, ist auch räumlich sehr entlegen.
Huhn und Ei als Zahlungsmittel und Opfer.
» Wächst Geld auf meinem Acker? Nein. Korn wächst darauf.<<Mit diesen Worten weist der biedere Hofschulze in Immermann's» Münchhausen« den Receptor ab, der ihm den Antrag stellt, den Korn-zins in Geld zu verwandeln. Ursprünglich waren alle Zinse Natural-gaben. Uns gehen hier nur die Hühner- und Eierzinse an, die überallan die Obrigkeit wie an die Seelsorge gegeben wurden. Hier lieferteman Michaelishühner, Martinihühner, dort Pfingsthühner. Der OrtTschernowitz bei Saaz zum Beispiel hatte nach seiner Ruge vomJahre 1544 der Obrigkeit 70 Zins- und 30 Ehrhühner( von Verehrung,Geschenk) zu liefern. Dieser Ort hatte zu Ostern 7 Schock Eier abzu-führen,» ein zween oder drei mehr oder weniger«. Nach Buck( Ober-deutsches Flurnamenbuch) musste das Zinshuhn so weit erstarkt sein,» dass es mag an den dritten seigel( bis zur dritten Leitersprosse)fliegen.<<
* Uns. Zeitschr. II. 24.