Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Blau.

Gelbe das Hähnchen( Neuern), oder das Gelbe im hartgesottenen EiKälbchen, Stierchen nennt. Lippert erwähnt in seinem Buche:» DeutscheFestbräuche S. 56 eine meiner Ansicht nach im Volke von andererSeite angeregte» Speculation«;» ……. und man hat gefunden, dass dasEi selbst in seinen drei Theilen die heilige Dreifaltigkeit vorstellenund dass es ein Bild des schlummernden Lebens und der Auferstehungsein könne.<<

So will ich denn nach dieser Abschweifung vom Ei im Lichteder Osterbräuche handeln.

Das Osterfest ist nicht nur den Kindern das Fest der» rothenEier«, welche demselben ihren Namen geliehen haben. Die Mutterträgt dem Schneider auf, das erste Feiergewand für ihren Kleinendoch gewiss bis auf die» rothen Eier« fertig zu machen; wenn derSoldat nicht eher Urlaub bekommt, auf die rothen Eier kommt erdoch heim. In der Znaimer Gegend heisst der Ostersonntag der» rotheOar- Sonntag.«*)

Schon eine geraume Zeit vor Ostern verkauft die Bäuerin keineEier mehr. Trotzdem jetzt die Production die höchste ist, sind nur» fünf für den Sechser.« Ein armes Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, das das Jahr hindurch dieganzen Eier verkauft, kocht zu Ostern ihren Kleinen ein halbes Schock.Die am Gründonnerstag, am Odlasspfintzta, gelegten Eier werdenniemals verkauft. Es sind das die sogenannten

Odlassoja.

Sie sind schon von der Henne weg hoch geweiht« und haltensich das ganze Jahr frisch. Aeltere Hausfrauen nehmen sie hie und damit einem Tuche vom Neste; ihre Verehrung erlaubt ihnen nicht,dieselben mit den Händen zu berühren.

Sie alle werden gefärbt und am Morgen des Ostersonntagesgeweiht. In jeder Kirche wird zweimal geweiht. Einmal zeitlich Frühfür die Ortseinwohner, dann bei der Frühmesse für die Eingepfarrten.Die ersteren verzehren das Geweihte vor dem Frühstücke, die letzterenvor dem Mittagessen.

Zur Weihe wird getragen: 1. Das Osterlaibl. Es hat keine be-stimmte Form. In meinem Elternhause in Neuern war es rund.**)2. Das Fleisch, meist Kalbs- oder Schweinsbraten. 3. Eine derFamilienzahl entsprechende Menge von hartgesottenen Eiern. Das sind» Odlessoja«, roth oder anders gefärbt,***) an einem Ende offen,» damit

*) Uns. Zeitschr. II. 309.

**) Im Böhmischen" hat es Laibform und heisst auch bochánek- Laibchen. InThann, Niederbayern, gibt es eigene Eierfladen, Osterflecken zur Weihe. Uns. Zeitschr.I. 288.

***) Uns. Zeitschr. I. 287. Pachinger, Bei Linz erhalten die Dienstleute weichgekochte,ungefärbte Eier, die sogenannten Anderseier.

Ungefärbt auch bei Kelheim in Niederbayern. Ebenda, S. 288. Anderseier.