Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Blau.

Frühjahre, so nach Ostern, sind die Eier am billigsten. Man kauft denganzen Sommer hindurch 6, zu Zeiten auch 7 für den» Sechser<<.Gegen Weihnachten hin sind sie am rarsten, da gibt es nur 3 für10 kr. Im Sommer 1770 bekam man nach schriftlichen Aufzeichnungen3 Eier für 1 kr., sage einen Kreuzer! Noch zu Beginn der letzten( österreichischen) Währung erhielt man 10 Eier für 10 kr. oder einenSechser, was für das Chodengebiet gleichfalls bestätigt wird.*) DieBäuerin befleissigt sich mit denselben der grössten Sparsamkeit, denndas Eieressen erscheint unserem Volke als Luxus; zudem gelten dieEier als nicht besonders nahrhaft und als schwer verdaulich, da dasEi nur hartgesotten gegessen wird. Auf einem Ausfluge musste ich>> am Honeswirthshäusl« in Hammern mangels anderer Kost fünf rohe(» grüne«) Eier zu Mittag verzehren. Die Wirthin konnte sich übereine solche Tollheit nicht genug verwundern und rieth mir dringenddavon ab.» Ja, wenn sie noch gesotten wären.<< Grüne Eier geltenüberhaupt als sehr ungesund.

Zu» hohen Zeiten«, wie Kirchweih oder Fasching, wo HunderteFlecken und Kejchal gebacken werden, kauft im Dorfe Flecken dieBäuerin ein ordentliches Quantum gelben Ingwer; davon werden dieSpeisen wunderschön gelb gefärbt, und sie hat für manchen SechserEier gespart.

Die Suppe, der Guglhubfwacka, Flecken und Kuchen, Alles wirddamit gelb gemacht. Die Bäuerinnen im Angelthale unten verwendenzu diesem Zwecke den kostspieligeren Safran, dessen Fäden uns ausjeglicher Festspeise entgegenglühen, ebenso im Chodischen. Und esist wie auf dem Theater. Trotzdem die Praktik ganz offen betriebenwird man meint gar nichts dabei stört sie nicht im Mindestendie Illusion. Eine Bäuerin, die die Flecken nicht gelb, das heisst gutgenug macht, wird von Dienstboten und Nachbarinnen verlästert.

Der sparsamen Verwendung des Eies in der Küche entsprichtauch die geringe Zahl der Eierspeisen.

1. Eingeschlagene Eier,» Eier am Schmalz«, auch Eierschmarrngenannt.**)

Die Leute, welche den Flachs bauen( säen), erhalten nach Be-endigung dieser Arbeit ein Eiergericht; eingeschlagene oder

2. Saure Eier. Jede Person am Hofe, die am Flachsanbau be-theiligt ist, steuert zu dieser Speise Eier bei, und zwar für jedesangebaute Massl ein Ei.***)

Die Eier werden dazu in eine kochende Brühe von Essig undMilchrahm eingeschlagen.

*) Český Lid, VI. 349.

**) Eierschmalz, die Lieblingsspeise des Oar- Pangerl. Schmidt, Herrgottsmantel S. 38.***) Vergl. meinen Aufsatz über Flachsbau; Uns. Zeitschr. V. 195. Český Lid, VI. 133,chodisch Beim Flachsbauen kocht die Bäuerin dem Mann, der das Feld geackert undzugerichtet hat, Eier.