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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Dabei musste nach 1683 an eine grössere Neubesiedlung gedacht werden, und auchjetzt wirken sociale und politische Momente mit. Der Weinbau geht nunmehr zurück,was einerseits mit dem Aufblühen der Bierbrauerei, andererseits auch mit religiösenMomenten zusammenhängt. Da sich nämlich die protestantischen Colonisten Deutschlandsnicht mehr in diese Gebiete wandten, wurden viele Kroaten angesiedelt, die jedochmeist im östlichen Wiener Becken in ländlichen Siedlungen Platz fanden. Ausserdem fälltauch in diese Zeit der Bau zahlreicher Wallfahrtskirchen, die gelegentlich dem Landschafts-bilde ein charakteristisches Gepräge geben. Deutsche Colonisten aber rodeten den Waldund setzten sich in den alpinen Gebieten fest, wo sie Almwirthschaft betrieben. Neu-gründungen von Ortschaften sind selten, und auch der Zug des 18. und 19. Jahrhundertsnach Handel und Industrie hat nur ganz wenige neue Ortschaften gegründet, sondern sichvielmehr in schon bestehenden festgesetzt und diese vergrössert.
Die Schilderung der gegenwärtigen Verhältnisse gibt uns an der Hand eines sebrumfangreichen Zahlenmaterials ein anschauliches Bild nicht nur der Bewohnungsdichte
Fig. 37. Huzulischer Tanz.
und Ansiedlungsvertheilung, sondern auch der Bevölkerungsveränderungen im Laufe des19. Jahrhunderts. Die Kroaten sind in den Ansiedlungen fast ganz verschwunden oderin der Bevölkerung aufgegangen; dagegen lernen wir aus den Zahlen die grosse Gefahrder in auffallenden Massen eindringenden czechischen Bevölkerung( in Wien 94.6 Percentaller eingewanderten Czechen!)
Die Hauptergebnisse vorliegender Arbeit gehen wohl schon aus der kurzen Inhalts-angabe hervor, doch will ich noch einige Punkte aus der Zusammenfassung herausheben:Die Ortschaftsdichte nimmt von West nach Ost ab, die Ortschaftsgrösse zu. Für das WienerBecken gilt die Regel, dass die Lage der Ortschaften beeinflusst ist von der Rücksichtauf die Wasserverhältnisse; im Tullnerfelde sind die Orte davon unabhängiger. Die Formund Lage der Orte ist das stabile Element in der Landschaft, die Grösse und Dichte derBesiedlung ändert sich. Die Dichte, Grösse und Einwohnerzahl der Ortschaften sind gesetz-mässigen Oscillationen unterworfen, die mit den Werthschwankungen des Bodenertrageswechseln. Der einmal gewählte Ort wird nur unter den ungünstigsten Bedingungen wiederverlassen; Beispiele von Verlegungen ganzer Ortschaften sind sehr selten. Den meistendieser Ergebnisse schreibt Grund eine Giltigkeit für ganz Mitteleuropa zu.