Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Hienzen".

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keinen Zweifel. Ich fragte nun einen Wiener, wer diese Leute seinmüssten? Hea kramer", war die präcise Antwort; das ist Hühner-krämer, Geflügelhändler. Damit wollte er aber keineswegs den Berufdieser Hienzen bezeichnen: denn er kannte sie so wenig wie ich.Das ist eine local- ethnographische Bezeichnung, wie umgekehrt» Gott-scheewer« hier so viel als» Hausirer« bedeutet. Nun fragte ich über die" Hearkramer im Allgemeinen weiter nach: allenthalben waren sie mitihrer eigenen hienzischen Tracht bekannt, und man erzählte mir, wie siein Kraksen( Körben) die Hühner brachten, auf offener Gasse Gänse,auch Schweine in Schaaren zum Verkaufe dahertrieben. Und in derHienzei selbst sind die» Hüanlkramer« bekannt: sie werden dort>> mitSehnsucht erwartet«, weil sie für Wien Geflügel zusammenkaufen,wie Haas in einem Schwanke von einem Dorfe bei Güns erzählt. Inder Püttner Gegend heissen sie» Hea" lhandler«, man könnte etymo-logisch» Hüalhandler« schreiben. Von diesen Formen» Hea" kramer«,» Healkramer«,» Hea" lhandler« ist die Brücke zu Hea" z", wie derName gesprochen wird, leicht gefunden; nicht durch eine einfacheAbkürzung wie etwa» Kuonrad« in Kuonze«,» Friedrich« in» Fritze«,» Götfried« in» Götze« vereinfacht wurde; denn diese Kürzung istnur bei Taufnamen gebräuchlich. Sondern wie wir von den Haupt-wörtern» Kropf«,» Stück«,» Gueme«( Gaumen), unter Anderem die- Zeitwörter» kropfizan«,» stuckizan«,» gaimėzen«( Schmeller und Wein-hold) bilden, so können wir dem Hauptworte huon( Huhn) umso eherein althochdeutsches huonizan" zur Seite stellen, als auch das seltene,in den Wörterbüchern nicht auffindbare, als Schmähwort noch üblicheSchweinzer" althochdeutsches» swînizâri« und ein Zeitwort» swînizan«<voraussetzt. Die isolirten, heute nur mehr in Spottnamen erhaltenen,sonst unverstandenen Zeitwörter mhd. hüenezen, dial. hea^ zn, mhd.swînezen, dial. schwarzn bedeuten also:» mit Hühnern, beziehungs-weise Schweinen hantiren oder handeln«; der* hüenze, dial. Hea""ist der Hühnerhändler" oder Hea" kramer".*)

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Skeptikern gegenüber, welchen diese Bedeutung zu eng erscheint, da doch die Hienzen wir schreiben von nun an Hüenzen"

auch viele andere Geschäfte treiben, will ich nur noch erinnern,dass der» Tischler« auch noch Bänke, Kästen, Stühle etc. verfertigt,dass der Spängler nicht bloss mit Spangen, der Schlosser nicht blossmit Schlössern zu thun hat. Der Hühnerhandel ist der besondereZweig, nach welchem das geschäftslustige Hüenzenvolk im Allge-meinen benam st wurde; es ist ein wenig angesehener Betrieb, derden rührigen Deutschen Westungarns zunächst einen geringschätzigenSpottnamen von aussen her eintrug: sie selbst wehren sich noch bisheute, dass man ihnen denselben im Ernste beilege.

*) Das stn. huon erhält einen Umlaut nicht nur in der Verkleinerung hüenelîn( dial. Heal), sondern im Dialect auch durch falsche Analogie in der Mehrzahl Hea""( gleichsam* huoni, hüene) wie Thöre", Wässer"( tear, wasser) von Thor"( porta), Wasser.