Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kaindl.

Will man ein Feld vor Hagelschlag schützen, so muss man zuOstern die Knochen von dem geweihten Osterschinken aufbewahren.Stücke davon vergräbt man sodann an allen Ecken jenes Feldes.Dadurch wird bewirkt, dass der Hagel stets vorübergeht und keinenSchaden zufügt.

XVIII.

Sagen über die Tataren und Türken.

Im Ostkarpathengebiete erinnert man sich noch überall derschrecklichen Einfälle der Tataren und der Kämpfe mit den Türken.Viele Sagen knüpfen an dieselben und mancher Ortsname deutetauf sie hin. Letzteres hat zum Theil auch hierin seinen Grund, dassTataren hier ansässig waren, und zwar zum Theil auch als Leib-.eigene.*) Hier folgt eine Anzahl von Ueberlieferungen, welche mitden Tataren und Türken zusammenhängen.

In Suczawa zerstörten die Tataren die Burg des Stefan Woda,indem sie dieselbe von Zamka, einer Befestigung im Westen derStadt, beschossen.

In Iwankoutz ist am Felde Jelinka eine Steinplatte zu sehen.Unter derselben sollen die Türken Geld vergraben haben. Die bösenGeister lassen es aber nicht zu, dass die Platte gehoben werde. Hebtman sie, so sinkt sie sofort noch tiefer. Lässt man sie aber wiederruhen, so hebt sie allmälig sich wieder.

In Waszkoutz gibt es eine Tatarenbrücke( tatarskyj mist), dieüber den Bach Hlibiczok führt.

Ein Brunnen auf dem Wege von Czernowitz nach Sadagóraheisst Tatarenbrunnen( tatarska kernycia).

In Ipotestie gibt es einen Tatarenhügel( tatarska mohyla).

Eine Vorstadt von Suczawa heisst Tatarasz.

Auch bei Sereth gibt es eine Tatarczyna.

Beim Rareugebirge im Süden der Bukowina gibt es einenTatarenweg( Drumul Tatarilor).

Bei Kirlibaba und bei Fundul- Moldowi heissen OrtstheileTatarka; ebenso in der nördlichen Bukowina bei Jurkoutz.

Denselben Namen( Tatarka) führt eine Wiese im Walde beiOber- Wikow.

Bei Broszkoutz fliesst ein Tatarenbach( pareu tatar).

Zwischen Piedekoutz und Zeleneu breitet sich ein Sumpf ausder den Namen tatarski boloto( Tatarensumpf) führt.

Zwischen Davideny und Moldauisch- Banilla sieht man auf derEbene Berezina drei grosse Hügelgräber. Dort soll ein Kampf mitTataren stattgefunden haben; die gefallenen Tataren liegen unter jenenHügeln begraben.

*) Vergl. Kaindl Geschichte der Bukowina II. Theil, und Das Unterthanswesenin der Bukowina.