Mittheilungen aus dem Verein und dem Museum für österreichische Volkskunde. 67
Wenn im Vorjahre 1900 die völlige Neuaufstellung der Sammlungen unseresMuseums einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte seiner Entwicklung gebildet hatte,so war es unserer Thätigkeit im Berichtsjahre vorbehalten, das vorjährige Werk in sehrwesentlicher Art zu bereichern, zu ergänzen und durch die Herausgabe des neuen Führerszu vervollständigen.
Ein sehr erfreulicher Zuwachs unserer Sammlungen, durch eigene Erwerbungenund leihweise Zuwendung fremder Collectionen zustande gekommen, setzte uns in dieLage, manche empfindliche Lücke unseres Museums heuer auszufüllen. Die eigenen Er-werbungen beliefen sich auf 567 Stück, welche in der Rubrik„ Mittheilungen aus demVerein und dem Museum für österreichische Volkskunde" der Zeitschrift für österreichischeVolkskunde, Bd. VII, regelmässig ausgewiesen erscheinen. Ich hebe darunter hervor: dieCollection Julius Pichler von Costümstücken und Beleuchtungsgeräthen aus Nieder-österreich; die testamentarische Widmung der Frau Rosa Friedmann in Sternberg,bestehend aus 23 keramischen Objecten aus Böhmen und Mähren; eine kleine Sammlungaus dem Böhmerwalde, zusammengebracht von Herrn Lehrer Josef Blau in Silberberg;24 bemalte Ostereier aus Neudorf an der March, ein Geschenk des Herrn Gymnasial-directors Josef Zahradník; meine Aufsammlungen hauptsächlich keramischer Art( 76 Stück)aus der Bukowina; eine schöne Collection des Herrn Lehrers Benjamin Kroboth ausder Lundenburger Gegend( 103); die Sammlung des Herrn Alexander Hausotter( circa200 Stück), welche eine vollständige Vertretung der Hauscultur des Kuhländchens gibt,darunter eine vollständige Stuben einrichtung und ein vollständiges Mädchencostüm; fernerdie weiblichen Trachten von Montavon und dem Bregenzerwald( Vorarlberg), eine SpendeSr. Durchlaucht des Herrn regierenden Fürsten J. Liechtenstein, endlich eine sehrinteressante Sammlung von Synagogenlampen, durch die gütige Vermittlung des Herrn BaronNicolaus v. Mustatza uns zugekommen.
Von fremden Collectionen erwähne ich vor Allem mit besonderer Genugthuung undDankbarkeit die unserem Museum durch die Allerhöchste Huld Seiner Majestät desKaisers mit hohem Erlass des k. u. k. Oberstkämmereramtes zugewiesene Sammlungvon volkskundlichen Objecten aus Oesterreich( 668), welche sich seit vielen Jahren dankden Bemühungen des Herrn Regierungsrathes Franz Heger in der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums angesammelt hatteund daselbst niemals zur Aufstellung gelangt war. Diese Sammlung enthält 6 Nummernaus Niederösterreich, 56 aus Oberösterreich, 36 aus Salzburg, 21 aus Tirol, 91 aus Steier-mark, 103 aus Kärnten, 60 aus Krain, 42 aus Dalmatien, 13 aus Böhmen, 14 aus Mähren,16 aus Schlesien, 144 aus Galizien, 49 aus der Bukowina, so dass alle Theile unsererAusstellung hiedurch Bereicherung erfuhren. Ferner sei auch der Zuweisung einer grösserenZahl von Objecten, namentlich von interessanten Trachtenstücken aus Dalmatien, gedacht,welche durch den Verein zur Förderung der wirthschaftlichen Interessen des König-reiches Dalmatien dem Museum zur Ausstellung überlassen worden sind.
Im Laufe des Berichtsjahres führte ich eine ausgiebige Etiquettirung der Sammlungdurch, wodurch die Sammlungen nunmehr für das Verständniss der Besucher in er-wünschter Weise aufgeschlossen erscheinen.
Nach Einreihung des Einlaufes 1901 konnte an die Herausgabe eines neuen Führersdurch das Museum gegangen werden. Mit theilweiser Benützung des Katalogs vom Jahre1897, aus dem namentlich die allgemeinen Bemerkungen und die Beschreibungen unsererIntérieurs übernommen werden konnten, verfasste ich im Auftrage des Ausschusses denin unserem eigenen Verlage erschienenen„ Führer durch die Sammlungen des Museumsfür österreichische Volkskunde. Mit 20 Textabbildungen", welcher über die bemerkens-werthen Objecte alle nöthigen Aufschlüsse gewährt und dem Besucher eine bleibende undauch späterhin werthvolle Erinnerung an seine Besichtigung des Museums zu gewährenvermag.
Eine sehr namhafte Anzahl von Gegenständen, namentlich Trachtenstücke undStickereien, konnten nicht zur Ausstellung gelangen, da der verfügbare Raum längst zueng geworden ist. In 39 Kisten, Truhen und Kästen verpackt, harren sie der Zeit, wo
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