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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Die Festschrift enthält ausser einigen auf das Fest bezughabenden Gelegenheits-gedichten von Carl Iro, Josef Riedl, Theodor Hutter und Alois John drei Artikel vonvolkskundlichem Interesse.
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Erstens Geschichtliches über das Fahnenschwingen der Egerer Metzgerzunft" vonDr. Carl Siegl. Nach den übereinstimmenden Angaben der alten Chroniken reicht dieseUebung bis in das Jahr 1412 zurück. Die Egerer haben nämlich in diesem Jahre dieBurgen der seinerzeit gefürchtetsten Raubritter, der Gebrüder Raitenbach auf Gresleins( Graslitz) und der Gebrüder Forster auf Neubaus, eingenommen und zerstört. Beider Eroberung dieser Burgen haben sich nun nach den Ueberlieferungen der Chronistendie Egerer Metzger und Tuchknappen besonders hervorgethan. Beim Sturm erbaten siesich den Vortritt, erstiegen unter Trompetenschall thatsächlich als Erste die feindlichenZinnen und brachten als Siegestrophäe die„ Sonne von Neuhaus", welche die Thurmspitzedieser Burg zierte, mit nach Eger. Sie wird noch jetzt im dortigen Museum verwahrt.Als Auszeichnung für diese mannhaften Thaten verlieh nun der Egerer Rath den Metzgernund Tuchmachern das Ehrenprivileg alle Jahre in der Fastnacht die Zunftfahne vor dasHaus des Zunftmeisters zu hängen, sie mit dem rothen Feldzeichen zieren und hernachunter Drumpetenschall" neunmal schwingen zu dürfen.
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Der zweite Artikel von Alois John schildert das Fahnenschwingen in Eger am18. Februar 1896, endlich der dritte von Josef Riedl gibt den geschichtlichen Ursprungeines anderen Egerer Volksbrauches, nämlich des„ Kirchganges der Egerer Metzger amJahrestage".J. Thirring.
3. Sebastian Grüner: Ueber die ältesten Sitten und Gebräuche der Egerländer,1825 für J. W. v. Goethe niedergeschrieben. Herausgegeben von Alois John. Mit 8 farbigenBildertafeln.( Beiträge zur deutsch- böhmischen Volkskunde. Band IV, Heft 1.) Prag, Calve'scheHofbuchhandlung, 1901.
Das lange verschollen gewesene Manuscript des Rathes S. Grüner, welches überAnregung Goethe's 1820 ausgearbeitet worden war und diesem vorgelegen hatte, ist vondem jetzigen Herausgeber in verdienstlicher Weise wieder ans Licht gebracht und in deroben angezeigten schönen Ausgabe der Oeffentlichkeit zugeführt worden. Goethe, der sichvon seinen Karlsbader Aufenthalten her lebhaft für Sitten, Gebräuche und Trachten derEgerländer interes sirte, regte den Rath Grüner zur Abfassung dieser Schrift an, welcheallerdings in manchen Punkten veraltet so namentlich in den Ausführungen über dieältesten Bewohner des Egerlandes und einen hypothetischen slawischen Bevölkerungstheil,die Sorben doch in den eigentlich volkskundlichen Theilen treue und liebevolle Be-obachtung verräth. So sind uns noch heute die Schilderungen der Gebräuche, der volks-thümlichen Rechtspflege, die Liedersammlung und insbesonders die genaue Beschreibungder Tracht von Werth und geben der Egerländer Volkskunde eine neidenswerthe Basis.Von besonderem Reiz sind die dem Werkchen beigefügten originalen Bildertafeln Grüner'smit Darstellungen von Hochzeit, Tanz, Taufschmaus, Leichenbegängniss und Trachtendes Egerlandes. Dem Herausgeber Alois John wie der Gesellschaft zur Förderung deutscherWissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen in Prag, welche die Ausgabe ermöglichte,gebührt voller Dank und herzliche Anerkennung.Dr. M. Haberlandt.
4. Dr. Rudolf Meringer: Die Stellung des bosnischen Hauses und Etymologienzum Hausrath. Mit 62 Textfiguren.( Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie derWissenschaften in Wien. Philosophisch- historische Classe. Band CXLIV.) In Commissionbei Carl Gerold's Sohn. Wien 1901.
Als Bericht über eine im Auftrag der kaiserlichen Akademie der Wissenschaftenin Wien 1898 unternommene Reise erscheint diese aus gar verschiedenartigen Theilenzusammengesetzte Abhandlung, welche im Wesentlichen auf eine Ergänzung und schärfereFormulirung der in den, Wissenschaftlichen Mittheilungen aus Bosnien und der Herzegowina",Bd. VII, S. 247-290 erschienenen Abhandlung desselben Verfassers über das bosnischeHaus hinausläuft. Das gesammte bosnische Haus wird jetzt von R. Meringer als einZweifeuerhaus bezeichnet, womit der von G. Bancalari„ Flurhallenhaus" benannte Typus