Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

58

Kleine Mittheilungen.

oben eine kleine Münze in das Wasser herab, springt nun diese aus dem Teller heraus,so ist es ein Zeichen, dass es in jenem Jahre heiraten wird, fällt die Münze aber erstbeim zweiten Fall aus dem Teller, so wird die Hochzeit erst im zweiten Jahre statt-finden etc.

658. Befindet sich in irgend einem Garten die Tollkirsche, so darf dieselbe nichtausgegraben werden, denn ansonst würde unstreitig das Hausmädchen oder die Hausfrausterben.

659. Ein Mädchen, welches das gesuchteste am Tanzboden sein will, nimmt die Eisen-hut genannte Blume, macht drei Kniebeugungen, küsst dieselbe und sagt: Geehrte BlumeEisenhut aus der rechten Hand, alle zurück, ich in erster Reihe!"

660. Manche Mädchen, die ein gewisses Mädchen wegen ihres Tanzens beneiden,nehmen Erde aus der rechten Spur und vom Schatten jenes Mädchens und vergrabendieselbe hinter der Thür und glauben, dass fortan jenes Mädchen von den Burschen un-beachtet bleiben wird.

661. Nimmt ein Mädchen eine Blume vom Kopfe eines zweiten Mädchens, so sagtman, dass das erstere vom zweiten die Ehre und das Glück wegnimmt.

662. Wenn man irgend eine Sache von Neuvermählten nimmt, so soll man ihnendas Glück wegnehmen.

663. Es ist nicht gut auf einem Polster zu schlafen, auf welchem ein Todtergelegen ist, denn sonst würde man den Todten träumen.

664. Stirbt Jemand, so wird dessen Länge mit einem Faden gemessen, damit seinGlück im Hause zurückbleibe.

665. Diebe pflegen Todtenzähne oder Finger mitzuführen, damit sie Niemand an-gebe, so wie der Todte.

666. Die Diebe pflegen, wenn sie vor Gericht erscheinen, mit dem Fussabsatz drei-mal auf die Thürschwelle aufzutreten, dass, so wie die Schwelle stumm ist, auch ihrschlechter Leumund verstumme und sie straffrei herauskommen.

667. Wenn die Brautleute von der Trauung zurückkehren, so schüttet man vor den-selben auf den Weg volle Wasserkannen, damit es ihnen im Leben immer gut ergehen soll.668. Wenn die Brautleute zur Trauung aufgebrochen sind, aber die Trauringe zuHause vergessen haben, so wird dies für ein schlechtes Vorzeichen gehalten und geglaubt,dass dieselben im Leben unglücklich sein werden oder eines von ihnen bald sterben wird.669. Um viel Honig von seinen Bienen zu haben, soll man sie am Mariä- Ver-kündigungstage durch einen Wolfshals heraustreten lassen, was sie so bösartig macht,dass sie die Nachbarbienen tödten und ihren Honig wegstehlen.

670. Man glaubt, dass Jener, der sich ein Stricktheil verschafft, womit sich Jemanderhenkt hat, falls er Viehhändler ist und viele Kaufleute hat, seine Waare gut an denMann bringt.

671. Nach der Beerdigung eines Menschen gehen dessen Verwandten an dreiAbenden auf den Friedhof und räuchern sein Grab mit Weihrauch ein, damit dessen Seeleaus dem Kampfe mit dem Teufel siegreich herauskomme, was dazu beiträgt, denn derTeufel flieht den Weihrauch.

672. Bevor der Pflug im Frühjahre zum Ackern hinauszieht, pflegt man denselbendreimal mit Weihrauch, Basilienkraut und geweihtem Wasser, womit man denselben unddie Zugthiere besprengt, zu umkreisen, damit die Zugthiere nicht beschrien werden.

673. Kommen im Winter keine Verwehungen vor, so wird die Frucht im nächstenJahre nur spärlich gedeihen.

674. Um die Kühe viel Milch gebend zu machen, nimmt man am Freitag AbendsKleie, legt dieselbe in einen kleinen Trog und stellt dann denselben unter die Dachtraufe,wo er bis Samstag Früh vor Sonnenaufgang zu verbleiben hat, worauf man der Kleie nochSchwefel beimischt und dann den Kühen zum Fressen vorlegt.

675. Gibt man Jemandem eine Nadel, so ist es gut, dieselbe mit Zwirn eingefädeltzu geben, damit, falls dessen Seele einmal in der Hölle sein sollte, sie an diesem Zwirnherausgezogen werde.