Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mittheilungen.

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Da rauschte es im Schlosse und die Knaben erschracken sehr.Sie sprangen von der Mauer weg, waren aber sehr neugierig, wasmit der Kappe geschehen möchte. Der reichere schickte den ärmerenzur Schlossmauer hin, dass er durchs Loch hineinschaue. Dieser ge-horchte ihm und schaute in das Schloss hinein. Da gab ihm derTeufel die Kappe zurück, und als sie der Knabe nahm, fand er darinviel Geld. Er schüttete es in die Taschen, denn es waren lauter» alteSilberzwanziger«. Als er zu seinem Kameraden zurückgekehrt war,theilte er ihm Alles mit, was sich ihm zugetroffen hatte, zeigte ihmdie Kappe und das Geld. Dieser war sehr geldgierig und lief allso-gleich zu jenem Loche hin. Er warf seine neue Kappe hinein undwartete, bis man ihm sie voll Geld zurückreiche. Er bekam siezurück aber statt des gehofften Geldes fand er darin Pferdemist«( Własnowolski.)

» Im Martinsschlosse wohnen noch viele andere Geister, welcheden Armen helfen und den Reichen schaden.«*)( Własnowolski.)

II. Kleine Mittheilungen.

Bienenzucht und Bienenzauber im nördlichen Theile Böhmens.Von Heinrich Ankert, Leitmeritz.

Bei uns ist das kleine Bienchen wohl das einzige Insect, welches der Mensch inseine Nähe zieht und züchtet. Uralt ist diese Zucht! Bei uns in Böhmen kennt man dieZucht dieses in nationalökonomischer Hinsicht so wichtigen Insectes bereits viele Jahr-hunderte. 1075 gab es nachweisbar schon grössere Bienenzüchter in Trnowan bei Leitmeritz.Im Mittelalter stand die Bienenzucht auf hoher Stufe; war ja Honig fast das einzige Ver-süssungsmittel, und der Meth,**) der aus Honig bereitet wurde, war bis ins späte Mittel-alter eines der Hauptgetränke bei Festen und Versammlungen; auch das Wachs batteeine viel grössere Bedeutung als heute. In neuerer Zeit schenkt man der stark zurück-gegangenen Bienenzucht wieder mehr Aufmerksamkeit und sucht dieselbe möglichstzu heben.

Seit sich der Mensch mit den Bienen beschäftigt, erregt auch der Bienenstaat, dieBaukunst, der sprichwörtlich gewordene Fleiss dieses kleinen Thierchens seine Be-wunderung. Mit keinem Thiere vielleicht hat sich der Volksglaube so beschäftigt, wie mitdem Bienchen. Obzwar die neue rationelle Bienenzucht jeden abergläubischen Brauch undjede derartige Ansicht verpönt, hat sich doch noch mancherlei diesbezügliches erhalten.Was mir im Laufe der Zeit untergekommen, will ich hier kurz mittheilen.

In der Trautenauer Gegend schmückt man jeden Stock neugefasster Schwärme miteinem schönen Blumenstrausse. Frägt man, warum? so erhält man einfach zur Antwort: weil es so Gebrauch ist."( Dieser Brauch ist jedoch sehr praktisch, denn durch diesesauffallende Zeichen werden die auf dem Begattungsfluge befindlichen Königinnenleichter in ihren Stock zurückfinden.)

*) Alle Götter bei den Lachen müssen als dualistische Wesen betrachtet werden,als Urheber des Guten und des Bösen. Die Weissen" aber besitzen die störende Kraftin geringerem Grade als die Schwarzen". Deswegen zählen die Lachen ihre weissenGötter zu den guten" und die schwarzen" zu den bösen".( Vergl. meine Abhandlungdarüber in Lud", Bd. V, S. 53.)

**) 1460 gab es in Eger noch 13 Methbrauereien.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. VIII.

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