Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Młynek.

stützen sich mithin gegenseitig und sehen wie ein Geschwisterpaaraus, eines kann des anderen nicht entbehren. Wer auf den Gipfel desMartinsberges kommt, muss die Martinskirche besuchen, sie wenigstensvon der Nähe anschauen. Wer schon die Kirche besucht und an-geschaut hat, muss in das Wirthshaus eintreten. In der Kirche ist derOrt zur volksthümlichen Andacht, im Wirthshause dagegen zur volks-thümlichen Unterhaltung. Die Tarnówer kennen kein» Rękawka«- oder» Malajs«-Fest, aber sie kennen den Frühlingsausflug zu Ostern, densie am heiteren Ostermontag familienweise unternehmen, um denheiligen Martin und dessen Gefährten nach langem Winter in ihrerWohnstätte zu besuchen, und sich dann in ihrer Nähe, wenn schonnicht mehr in ihrer Gesellschaft im Wirthshause am Martinsbergezu unterhalten. Neben dem Wirthshause zieht sich ein schöner Gartenmit verschiedenen Spielvorrichtungen. Es gibt da schattige Laubenmit Bänken und Tischen. Kurz, man findet da Alles, woran man sichim Freien nach Herzenslust erfreuen kann. Es gibt zwar keine» Renn-<«und» Ringkämpfe« im Sinne des» Rękawka«-Festes zu Podgórze,*) aberes wird auch hier wie dort um die Wette gerannt und gerungen".Derjenige, der im» Renn« oder» Ringkampfe« besiegt wird, mussseinem Sieger eine Zeche bezahlen, wobei Kuchen, Würste, Pomeranzen,Zuckerwerk und dergleichen nicht geworfen, sondern verzehrt werden.

Von den Sagen, welche sich an den Martinsberg knüpfen, kannich nur folgende anführen:

» Als die Sintfluth auf der Erde war und alle Bäume von untenher weggespült wurden, da tauchten diese Bäume empor undschwammen auf der Wasseroberfläche einher. Nach der Sintfluthsank das Wasser herab und die schwimmenden Stämme hielten sicham Martinsberge an. Aus diesen Stämmen erbauten sich die Frommeneine Kirche, welche bis auf heute besteht.

Andere sagen, es sei einst die Biała, welche unweit im Thalefliesst, aus ihren Ufern getreten und habe den Martinsberg über-schwemmt. Während dieser Ueberschwemmung sei die Martinskircheaus unbekannten Ländern hergeschwommen.

Man weiss nicht, welche von beiden Mittheilungen richtig seinkönnte, aber das ist gewiss, dass diese Kirche sehr alt ist und Nie-mand weiss, wer sie erbaut hatte.«**)( Peter Własnowolski.)

» In der Martinskirche hängt an dem Thore eine hölzerne Kette,die ein blinder Hirt aus einem Stück Holz machen sollte. Sie ist zu-

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*) Das ,, Rękawka" oder Renkawka- Fest ist das in Deutschland allgemein ver-breitete Renn- oder Ringkampf- Fest. Das Malajs" oder Emaus"-Fest und das Hajilki oder Gajówki-" Fest sind nur andere Namen desselben bei den polnischen Völkern.

**) Von den mit Wasser herbeigeschwommenen Kirchen, Capellen, Statuen undBildnissen gibt es bei uns Polen sehr viele Sagen. Manche von ihnen greifen sogar indas Heidenthum Glossar ::: zum Glossareintrag  Heidenthum zurück und beziehen sich auf die Wassergottheiten Wanda" undWid".

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