Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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8 (1902) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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, Gora Marcina."

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etwas tiefer rechts das Dorf» Zawada«. Die Erhebung des Martins-berges über das Meeresniveau, und zwar in der Stelle, wo sich derFriedhof und die Kirche befinden, beträgt über 300 m. Er ist demnachdie grösste Bodenerhöhung in der Umgegend von» Tarnów«ist ihr wahrer» Dorn«, den sich der himmlische» Feuer- Dorn«, derDonnerstrahl- scandinavischer» Thorr«, polnischer» Toruñ«(» Cierñ«)und dergleichen zu ihrem Tempel machten. Es soll uns also nichtbefremden, dass sich die Augen des» Tornower«-Volkes im Frühlingezuerst nach ihm wenden dass er bei demselben in Ansehen stehtund von ihm sehnsüchtig besucht wird. Der Martinsberg, der mitRecht» Donnersberg« oder» Thorsberg«(» Toruńsko«-» Tornsko«<-» Tarnówsko Góra« benannt werden kann, ist seit den ältesten Zeitenfür die Tarnówer dasjenige, was der» Benedykberg« für die Podgórzerder Bronisławaberg für die Krakauer und dergleichen ist ihrnationaler Tempel, ihr» Wawel«<. Hier grüssen sie den heran-kommenden Frühling, dessen feierlichen Einzug Donner und Regenverkünden*) hier verbringen sie die kürzeste» Johannis- Nacht«<(» noc świętojańską) des Hochsommers hier warten sie denherbstlichen Einzug des heiligen Michael und den winterlichendes heiligen Martin ab. Der letztere kommt auf seinem Schimmel(» na siwym koniu«) und hält sich am Martinsberge auf, um ihn mitden Ueberresten der Ernte, wie» Wichy«( Wîhe Weihe, auf demStoppelfeld gelassener» geweihter« Rest von Haber und anderemGetreide),» Kozy«**)( Heuüberreste,» Heugeissen«) zu füttern. Auf demMartinsberg ist es näher dem Himmel als irgendwo anders. Deshalbverweilen hier die Himmlischen am liebsten. Sie haben sich hier einenTempel erbaut. Das Kirchlein, welches im Friedhofe steht, kam, manweiss nicht wann und woher, auf den Wellen hergeschwommen. Hierist es so schön, so lieblich und anmuthig, dass sich Manche diesenOrt zu ihrer ewigen Ruhestätte gewählt haben. Sie liegen in demkleinen Friedhofe bei dem Kirchlein begraben. Die sich weithin aus-breitenden Eichen und Linden beschatten ihre Gräber.

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Das alleinstehende Wirthshaus am Martinsberge und die unweitliegende Martinskirche scheinen zueinander zu gehören. Beide unter-

*) Wenn der erste ,, Donner" durch die Lüfte rollt, sollen sich die Menschen, umsich gegen alle Leibesschwächen zu schützen, auf dem Boden wälzen( po ziemi się tułać"),wenn dagegen der erste Regen" niederfällt, sollen sie mit entblösstem Haupte undbarfuss im Felde herumlaufen. Dies fördert ihr Wachsthum. Wenn die neuen Baumzweigeherauswachsen, soll man sich mit denselben schlagen lassen, denn sie verleihen denMuskeln und Knochen Kraft und Stärke. Alle diese drei heilenden Gebräuche werden vonden Lachen zu Ostern am Rękawka"-Feste( Rennkampf- Feste) feierlich begangen.Die mit den ersten ,, Kocianki"( Weideruthen) erhaltenen Schläge, das Begiessen mit demersten Regenwasser und die zum ersten Male im Freien verzehrten Speisen heissen Śmiguszt oder Smirgust. Die Abstammung dieses Wortes ist noch nicht aufgeklärt

worden.

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**) Koza"( die Geiss) gehört zu den heiligen Thieren.