Ostereier aus Neudorf bei Ung.- Hradisch,
Ostereier aus Neudorf bei Ung.- Hradisch.
Von Josef Zahradník, Ung.- Hradisch.
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Länger als die übrigen mährischen Slawen haben die Slowakenihre alte Eigenart beibehalten, die mit ihrem Formen- und Farben-reichthum geeignet erscheint, den südöstlichen Winkel Mährens zueinem der anziehendsten folkloristischen Objecte zu stempeln. Be-sonders interessirt den Kenner jener entwickelte Kunstsinn, der sichin den slowakischen Liedern, in der Volkstracht und in den Be-hausungen äussert. Freilich darf man sich nicht mit dem Eindruckebegnügen, den man bei einer Eisenbahnfahrt von der Kehrseite derslowakischen Dörfer gewinnt; erst durch ein eingehenderes Studiumwerden dem Kenner wahre Schätze bekannt, die es werth sind, inMuseen ausgestellt zu werden, nicht nur um durch ihre Farben- undFormenpracht das Herz zu erfreuen, sondern um das Kunstgewerbedurch ihre Eigenart und die Neuheit der Formen wohlthuend zubefruchten.
In erster Linie ist es das weibliche Geschlecht, welches diekünstlerische Begabung des slowakischen Volksstammes zum Ausdruckebringt. In weltvergessenen Gebirgsdörfern trifft der Sammler Sticke-reien an, deren Technik im modernen Europa als die Holbein'schevor nicht zu langer Zeit eine Art Auferstehung feierte, hier aber vonschlichten Frauenhänden jedenfalls seit Jahrhunderten von Geschlechtzu Geschlecht geübt wird; viele Stickereien, die in ausländischenMuseen als» ungarische, rumänische und bulgarische« das Herz derFrauenwelt entzücken, stammen aus den Dörfern um Strassnitz undUng. Brod, wo sie der kluge Händler um ein Weniges erhandelt odereingetauscht hatte.
Eine kleine, aber instructive Probe ihres Kunstsinnes liefern dieslowakischen Mädchen bei der Ausschmückung der Ostereier. Währendin den übrigen Theilen des Landes in neuerer Zeit in der künstlerischenAusschmückung der Ostereier ein gewisser Rückgang nicht zu ver-kennen ist, findet man hier noch ganz stylgerechte Ornamentirungund dieselbe Farbenharmonie, wie sie an den Stickereien und in derübrigen Tracht beobachtet werden kann, so dass in volkskundlicherBeziehung auch die Ostereier eines näheren Studiums werth sind.Hier soll dazu einige Anregung gegeben werden.
Der Gebrauch, sich zu Ostern mit geschmückten Eiern zu be-schenken, heisst in Böhmen und unter den mährischen, an Böhmenangrenzenden Horaken» pomlázka«, im übrigen Mähren» mrskub,mrskačky«, in der mährischen Slowakei» šlahačky«, welch letzterezwei Benennungen mit» mrskati«,» šleḥati«(= peitschen, mit Gertenschlagen) zusammenhängen; in den sprachlich gemischten Bezirkendes nordöstlichen Mährens stammt der Ausdruck» šmigrust« aus demdeutschen» Schmeckostern«. Schon lange vor Ostern wird man aufden mährischen Marktplätzen ärmlich gekleidete Slowaken aus dem