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Ethnographische Chronik aus Österreich.
Mit dem 4. Zimmer betreten wir nun die Egerländer Bauernstube. Sie enthältzunächst den Hausrath derselben: den Tisch, die Wandbank, einfache Stühle und Lehn-stüble, über dem Tisch den sogenannten„ Altar" mit zahlreichen Heiligenbildern. Davorzwei Trachtenmodelle in Wachs: Ein alter Egerländer und eine Egerländerin amSpinnrad.
In der anderen Ecke stehen alte bemalte Egerländer Schränke, Truhen und Laden,ein Himmelbett, Wanduhren. In der gegenüberliegenden Ecke steht die Geschirrbankerfüllt mit bemalten Schüsseln, Haus- und Küchengeräthe( Löffel, Quirl, BadepfannenKaffeemühle und Anderes), darunter die Hühnersteige. Auch das Zierhandtuch beimThüreingang fehlt nicht. Zum Anbringen eines Egerländer Kachelofens und einerBeleuchtungsanlage reichte der Raum nicht aus. Doch sehen wir an der Wand dieLeuchte( zum Aufschüren mit Kienholz in Winterszeit) und darüber den Lienhut( einenblechernen rothgestrichenen Kaminmantel zum Auffangen und Ableiten des Rauches).Weitere Wirthschaftsgeräthe sind: Spinnräder, Mangelbrett, Flachshaspel, Quarkpresse,die Hornricht( zum Geradeziehen der Ochsenhörner), Sättel und Bügel und ein alterDudelsack.
Sehr reichhaltig ist die Sammlung Egerländer Trachtenstücke. Die zwei in diesemZimmer befindlichen Modelle und noch zwei andere( welche Raummangels halber im7. Zimmer stehen) geben eine sehr gute Vorstellung von der Tracht des Egerländers imAllgemeinen. Von einzelnen Trachtenstücken befindet sich eine köstliche. Sammlung ineinem Schmuckkästchen beisammen: Der Glockenpendel( Stirnschmuck der Braut, inmehreren sehr schönen Formen), Brauttäschchen( für die„ Morgengabe" bestimmt), Brust-latzen, Rosenkränze, Brautkronen, Hosenknöpfe( Huasn oa( n) thuadara= Hosen-anthuer, alte und neue Formen), die Trauermütze(„ Schoppel“), ein Egerländer Frauen-hemd mit hübschem Nähwerk(„ Gnah- wrk"), eine alte„ Puhubaube" oder„ Schneber-tüchl", Bauernhüte( rothes Band bei Junggesellen), Hosenträger, Regenschirm und Anderes.Ausserdem: Taufhäubchen, Pathenkissen, Taufbänder und Anderes. Nicht minder zahlreichsind die farbigen Trachtenbilder, darunter besonders hervorragend die aus dem Nach-lasse Sebastian Grüner's stammenden farbigen Pergamentmalereien( Egerländer Trachten-stücke, Taufschmaus, Plunderwagen, Kinderleiche). Gute Vorstellungen einer EgerländerHochzeit vermittelt: der Egerländer Hochzeitszug( 30 Theilnehmer, am Schluss der Plunder-wagen), Egerländer Hochzeitsgestalten( 12 Figuren mit Sprüchen) und Anderes.
Schliesslich befinden sich in diesem Zimmer noch Planskizzen der Haus- und Hof-anlage. Das vortreffliche Modell eines Egerländer Hofes, das einst hier stand, mussteleider wegen Baufälligkeit entfernt werden, eine Wiederherstellung wäre dringend zuwünschen.
Das 4. und 5. Zimmer enthält hervorragende und seltene Erzeugnisse AltegererKunstgewerbes, und zwar: Federbilder( Vogelbilder in natürlichen Federn, blühenderErwerbszweig Egers im 18. Jahrhundert), Kupferstichplatten, Kartenmalerei, Pergament-malerei, Stickereien, Schlosserarbeiten, Schmiedearbeiten, Kunstmalerei, kirchliche Anti-pendien( darunter das berühmte Antipendium in Glasperlenstickerei im romanischen Style,nach 1300 entstanden), Altegerer Drucke( von Joh. Franz Fritsch, Joh. Aug. Orwanskyund Joh. Aug. Fritsch) und Bücher( darunter die Cantionalen des St. Clara- Klosters),Pathezettel, Laternen und Lustres.
Die linke Wandseite enthält eine werthvolle Sammlung von Plänen und An-sichten der Stadt Eger( vom 15. bis zum 19. Jahrhundert), welche die Entwicklung desStadtbildes von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart darstellt. Aus dem 15. Jahrhundertstammen zwei Oelbilder des Egerer Malers Heinr. Nadler( 1776)„ Wahre Abbildung derStadt Eger i. J. 1496", aus dem 16. Jahrhundert Prospecte aus Sebast. Münster's Cosmo-graphia( Basel 1543) und Braun's und Hogenberg's Städtebuch( Köln seit 1583, illustrirtvon dem Nürnberger Kupferstecher Hufnagl), aus dem 17. Jahrhundert Ansichten und PläneEgers von Bertius, Math. Merian( Topogr. Bohem. 1650), Daniel Meissner, aus dem18. Jahrhundert. von Nicol. Haberstumpf aus Eger, Gabriel Bodenehr( ein AugsburgerProspectstecher 1690-1730) und Anderen, bis schliesslich die Kupferstiche, Lithographien