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Ethnographische Chronik aus Österreich.
mehr erkennbar. So kam es, dass man den vergitterten deutschen Reichsadler als äusseresZeichen der Verpfändung auffasste( noch bis in die neueste Zeit), eine Annahme, diedurch das älteste Siegel Egers wiederlegt wird. Neben den Siegeln befindet sich einehübsche Sammlung Egerer Münzen( Silberbracteaten, Pfennige, Dickmünzen, Nothmünzenaus Zinn, Egerer Pietscher- Heller). Die Stadt Eger erhielt bereits von Kaiser Carl IV. imJahre 1349 das Privilegium, dieselbe Münze wie in Nürnberg schlagen zu dürfen, weitereBerechtigungen ertheilten Sigismund( 1420 für eine kleine Münze in Hellern und Pfennigen),und Kaiser Friedrich III.( 1444 eine Münze, und zwar sieben Pfennige für einen Groschen.)Ausserdem befinden sich in diesem Zimmer eine grosse Anzahl alter Schuss-, Hieb- undStichwaffen( Pistolen mit Feuersteinschlössern, Partisanen, Hellebarden, Spontons, SchwerterSturmhauben, Geschützfunde u. A.), darunter eine grosse von den Egerer Tuchknappenim dreissigjährigen Kriege erbeutete Schwedenfahne und einige kleinere schwedischeFähnleins, ferner Möbel und Einrichtungsstücke, darunter Schränke und Reliefschnitzereien,Meisterwerke des Carl Haberstumpf aus Eger( 1681-1724), photographische Nachbildungenvon Meisterwerken der Egerer Kunsttischler Adam Eck und Johann Georg Fischer( nachden Originalen im Berliner Gewerbemuseum), von Egerer Originalurkunden( Privilegien),Man bekommt einen guten Begriff von der Bedeutung der alten Reichsstadt, seiner Privi-legien, seiner Wehrhaftigkeit und Tapferkeit, seines hochentwickelten Kunstgewerbes,während Wallenstein's gebieterisches Bild von den Wänden schaut und unsan seintragisches Ende in diesem Hause erinnert. Historische Luft weht in diesem Raume, dessenStille nur von dem Ticken einer alten Wanduhr( aus dem Rathhaus der Stadt) belebt ist.Das zweite Zimmer( die bürgerliche Zunftstube) vermittelt uns ein ausgezeichnetesBild Altegerer Zunftlebens. An der rechien Wandseite befinden sich Zunftläden( zusammen36, die jetzt chronologisch geordnet sind), darunter zwei aus dem 16. Jahrhundert( Nagel-und Kupferschmiede 1584, Kürschner 1588), 9 Läden aus dem 17. Jahrhundert, 5 ausdem 18. Jahrhundert, 4 aus dem 19. Jahrhundert. Ohne Jahreszahl sind 10 Läden,Gesellenläden 5, die ältesten einfach in der Ausarbeitung, auf der Vorderseite mit Säulen,die späteren mit oft prächtigen Holzschnitzereien in Farben geschmückt und bedecktmit Sprüchen, Abzeichen und Insignien der Zunft oder des Handwerks, mit Namen,Buchstaben, Monogrammen der geschworenen Meister sowohl an der Aussenseite als aucham inneren Deckel. Einige solche Sprüche lauten:„ All vnser Anfang und Endt/ Sey zuGot Lob vnd Preis gewendt/ deme befehlen wir vns inn seine hendt/ diesse Laden“( Sattler 1633),„ Gott mit vns"( Bäcker 1696),„ Es leb die Ehrsame Hutmacherzunft jederZeit Tausent Jahr nach der Ewigkeit"( Hutmacher 1709),„ Ein Ehrbahr Handwerk derder Glaser in Eger( 1710). Die Zunftlade war ein Heiligthum jedes Handwerks, ihr Raumund das kleine Ba- Ladl( Bei- lädchen) barg die wichtigsten Documente der Zunft, dieZunftbücher, die Zunftordnung und sonstige wichtige Schriftstücke. Die Zusammenkünftein der Zunftstube( das Quartal) fanden bei verschlossener Thür unter formelhaften An-sprachen und Wechselreden statt. Vor ,, offener Lade" wurde die Auflage"( d. i. diejeweilige Geldabgabe) eingehoben, Lehrlinge freigesprochen, Gesellen zu Meistern gemacht.Zu der Lade hatten zwei, auch drei Zunftmeister Schlüssel zur Gegensperre, so dass manan vielen Läden zwei oder drei Schlösser findet. Die meisten sind aus Holz, einzelne schonrecht wurmstichig und verfallen, eine einzige aus Eisen. Wie in allen deutschen Reichs-städten wurde auch in Eger der ursprünglich rein patrizische Rath der Stadt mit demErstarken der Zünfte erweitert( 1279 der äussere Rath,„ die 36ger“,„ die gemein“, 1350durch Handwerksmeister und Bürger) und die ursprünglichen Aufseher des Rathes vonden Zünften verdrängt, welche seit 1453 in Eger bereits allgemein herrschen.
In jeder Zunftstube hing von der Decke herab oder an der Wand das Herbergs-zeichen, von denen mehrere in diesem Zimmer hängen. Die Schuhmacher hatten einenkleinen Stiefel, die Hufschmiede ein grosses Hufeisen, die Hutmacher eine Laterne, dieTischler einen kleinen Hobel, die Bäcker eine zinnerne Bretze, andere bemalte Holzschildermit Reliefdarstellungen oder Zinnschilder. Diese Symbole waren für den reisendenHandwerksgesellen erwünschte Erkennungszeichen. Der Herbergsvater, der in der Zunft-stube waltete, verschaff e ihm neue Arbeit oder gab ihm sein Viaticum. Bei Festen der