Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

Ethnographische Chronik aus Österreich.

187

alte Gedenksteine, Grabsteine, Gruftdeckel und Wappen aus Kirchen und Grüften an denWänden eingemauert von ziemlich hohem Alter( 14., 15. und 17. Jahrhundert). Als dieältesten gelten: der sogenannte Mönchstein, einst im Sosswalde( abgebildet in dieser Zeit-schrift 1897, S. 84), die Grabsteine des Nicolaus Püchelberger( 1396), des BürgermeistersHermann Heckel( 1314), des Ulrich Rudusch und seiner Frau( 1460, 1464), letzterer285 m hoch und 1.40 m breit. Während diese älteren Steine mehr durch ihre Grössewirken, tragen die aus dem 15. und 17. Jahrhundert oft sehr hübsch gearbeitete Wappen-zier und in einem Falle auch Figuren( die Aebtissin von St. Clara Bernhardine Vetterlvon Wildenbrunn, gest, 1723). Nimmt man zu diesen( etwa 34) Steinen noch die Grab-steine in den beiden Portalen der Erzdecanale und im Kreuzgang der Franziskaner-kirche, so ergibt das einen kleinen historischen Friedhof Altegerer Patriziergeschlechter,welcher die Entwicklung des Grabsteins von der ältesten Zeit an veranschaulicht. Auchdie 14 Grabsteine in der St. Wolfgangskirche zu Seeberg mit kunstvoll eingemeisselten Ritter-und Frauengestalten( aus dem 15. und 17. Jahrhundert) gehören hieher*), und viele anderemögen sich noch in den Landkirchen des Egerlandes finden.

Durch eine breite, von farbigen siegel und wappengeschmückten Fenstern slim-mungsvoll erhellte Holztreppe gelangen wir ins Obergeschoss und durch ein Vorzimmerins eigentliche Museum der Stadt Eger. Das erste Zimmer enthält Erinnerungen anWallenstein, Siegel und Münzen der Stadt Eger, Waffen, Rüstungen und Geschütz-funde, Möbel Egerer Kunsttischler, zahlreiche Urkunden u. S, W,

-

-

Bei einer so hervorragenden, seine ganze Zeit erfüllenden Feldherrngestalt wieWallenstein, muss es schon nach der reichlich vorliegenden und gesammelten Literaturund Bibliographie zu schliessen eigentlich Wunder nehmen, dass noch kein eigenesWallenstein Museum besteht. Eger ist meines Wissens die einzige Stadt, die eine zwarkeineswegs vollständige, aber doch eine ansehnliche Sammlung Wallensteiniana beşitzt.Zahlreich sind zunächst die Bildnisse Wallensteins: Als sechsjähriger Knabe( SpanischeSchule a. d. J. 1589, früher in der Münchener Pinakothek), Wallenstein als Jüngling, alsFeldherr mit dem Marschallstabe( angeblich von Van Dyk) und zu Pferde( von MathiasMerian dem Aelteren), ferner Autogramme von ihm und Porträts seiner Zeitgenossen,Darstellungen seines Todes und der Ermordung seiner Generale( von Carl Hofreuter 1735,von Mathias Merian den Aeltern aus dem Theatr. Europ. III. Theil, Frankfurt 1639, vonCamphausen), Copien und Photographien von Carl v. Piloty's bekannten Gemälden( Senivor Wallenstein's Leiche, Wallenstein's Zug nach Eger) u. A. Als Schaustücke gelten:Wallenstein's Marschallsschwert und die Partisane, mit der er ermordet worden sein soll.Goethe sah dieselben, wie aus seinen Tagebüchern hervorgeht, noch im ehemaligen Rath-haus in Eger( jetzt Kreisgerichtsgebäude), und Schiller besuchte 1791 die Stätte, wo derHeld seiner Triologie endete. Diese kleine Sammlung, welche ein gutes Bild aus der ZeitWallenstein's vermittelt, könnte ganz gut ein eigenes kleines Zimmer füllen.

Nahezu vollständig ist die Sammlung von Siegeln der Stadt Eger und geistlicherund weltlicher Behörden( vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart, in Originalprägungenund zahlreichen Abdrücken). Das älteste Stadisiegel( a. d. 13. Jahrhundert) zeigt dreiThorbögen, Im linken ruht eine geharnischte Gestalt mit gesenktem Schwerte, im mittlereneine gekrönte Königsgestalt hinter einem Thorgitter, im rechten an aufgehängtem Schildeder deutsche Reichsadler. Oberhalb findet sich eine Mauerzinne, auf der zwei Vögel mitZweigen in den Schnäbeln sitzen, unten ebenfalls eine Zinne, woran Wasserwellenschlagen. Die Umschrift um dies älteste symbolische Bild der Stadt lautet: Sigillvm civivmin Egra. Also schon vor der endgiltigen Verpfändung des Egerlandes durch Ludwig denBaier an König Johann von Böhmen( 1322) finden wir am ältesten Stadtsiegel dastraditionelle Thorgitter vor der Kopffigur.

Am mitteren Stadtsiegel aus dem 15. Jahrhundert( Umschrift: Secretvm[ Signetvm]civivm in Egra) ist, ebenso wie an dem noch heute allein gebräuchlichen Egerer Wappen,die Königs-( Adler-) figur halbverschränckt und von dem ehemaligen Thorgitter nichts*) Vgl. U Unser Egerland", V.( 1901), Heft 1, und Erzgebirgszeitung 1897, Heft 1( mit Abbildungen zweier Grabsteine).

13*