Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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7 (1901) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Dan.

kannten vorsprechen, wofür sie dann Geldgeschenke erhalten. Einigeschreiten dabei auch auf Stelzen einher.

Während der Zeit des Monats Nissan, und zwar mit dem fünf-zehnten Tage dieses Monats beginnend,*) feiern die Juden durchsieben Tage die Ostern,» Passachfest« genannt. Da aber die Judenwährend der Osterfeiertage Mehl und al'es der Gährung Unterworfene,» Chumds« genannt, nicht anrühren, daher auch nicht verkaufen dürfen,wird dieses Verbot umgangen. Es werden nämlich alle diese Artikelvor Osternan einen Christen zum Scheine verkauft. Mit diesemScheinkäufer wird sogar ein schriftlicher, in hebräischer Sprache ver-fasster Contract abgeschlossen, welcher aber nach den Feiertagenrückgängig gemacht wird. Der Käufer muss dem Verkäufer irgendeine Geldsumme als Handgeld für die erhaltene Waare überreichenund sich den Rest binnen neun Tagen zu zahlen verpflichten. DasHandgeld wird selbstverständlich vom Eigenthümer selbst erlegt, derRest wird aber niemals bezahlt, und der Käufer verkauft für eine täglicheBezahlung die jüdische Waare während der jüdischen Osterfeiertage.

Gleichzeitig mit dem Mehl und den anderen Artikeln werdenauch alle übers Jahr im Gebrauche stehenden Töpfe und Kochgeräthezum Scheine verkauft.

Die Kochgeräthe und Töpfe, in denen zu Ostern gekocht wird,werden während des Jahres gar nicht gebraucht und stehen in derRegel auf dem Dachboden. Erst vor Ostern werden sie heruntergeholt,gewaschen und eingehend gereinigt, damit ja kein Mehl an denselbenhafte. Aber auch im Hause wird Ordnung gemacht, es werden dieFussböden, Thüren, Fenster, Bänke etc. gewaschen und gerieben, undjeder Winkel wird rein gemacht.

Einige Tage vor Ostern pflegt der Jude auf Fenster, Bänke,Gestelle und an anderen Orten Brotkrumen hinzulegen. Am Vor-abende vor Beginn der Ostern nimmt er ein angezündetes Wachslicht,einen Löffel und einen Gansflügel in die Hand und durchstöbert alleWinkel des Hauses, die Brotkrumen suchend, welche er alle mit derFeder in den Löffel zusammenkehrt. Bis er nicht vierzehn Krumengefunden hat, darf er das Suchen nicht einstellen. Hierauf sammelter alle Krumen in einen Fetzen, bindet denselben zu und verbrenntihn am zweiten Tage um 10 Uhr Früh. Dieses Verbrennen geschiehtzum Zeichen, dass über die Osterfeiertage kein Stückchen gesäuertenBrotes im Hause verblieben ist.

Vor Ostern wird ungesäuertes Brot,» Mazza« genannt, gebacken,welches das Brot der Trauer ist, zur Erinnerung an den eiligenAuszug der Juden aus Egypten, als sie den noch nicht gesäuertenTeig in den Moltern auf die Schultern nahmen.**) Es werden drei

*) Siehe Moses III, Cap. 23, Vers 5-9.

**) Siehe Moses II, Cap. 12, Vers 1-50; Cap. 13, Vers 5-10; Cap. 22, Vers 15,und V, Cap. 16, Vers 1-8.