Literatur der österreichischen Volkskunde.
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diese Werke leichter zugänglich als einem Nichtheologen. Daher kann er, da bei denUntersuchungen über solche Spiele( Weihnachts-, Osterspiele etc.) auf die ältesten Zeitender katholischen Kirche zurückgegriffen werden muss, am ehesten zur Lösung der Fragevon der Entwicklung derselben beitragen.
Vorliegende Abhandlung hat uns nun in der Lösung der Frage der Entwicklung derWeihnachtsspiele einen grossen Schritt weitergebracht und in mancher Hinsicht einabschliessendes Urtheil geliefert, daher eine recht eingehende Besprechung dieser Abhandlungwohl am Platze ist.*)
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Gleich im Vorworte kommt Verfasser bei der aufgeworfenen Frage, wie die Bibelspeciell die dramatische Richtung beeinflusst hat ,, zur Antwort, dass sie den Stoff zumeigentlichen Drama bot, wohingegen der kirchliche Ritus die eigentliche Geburtsstätte derdramatischen Ausgestaltung desselben ist, wofür im ersten Capitel der Beweis, der nichtnur für die Weihnachtsspiele, sondern auch als grundlegende Voraussetzung für die Oster-und Frohnleichnamspiele etc. zu gelten hat, erbracht wird. Dasselbe führt den Titel:, Das dramatische Element im kirchlichen Ritus im Allgemeinen". Den Mittelpunkt deskirchlichen Ritus bildet schon seit der ältesten Zeit das heilige Messopfer, und dieses istes auch, welches schon seit der ersten christlichen Zeit eine gewisse dramatische Handlungzeigt, es möge nur an die Wechselgesänge und Wechselbeziehungen der celebrirenden Priester,der niederen Cleriker und des Volkes, wie sie uns in zahlreichen Stellen in den Apologetender ersten christlichen Zeit erhalten sind, erinnert werden. Noch dramatischer jedoch ist.das sogenannte„ officium divinum"( die sieben Tagzeiten), das einerseits eine symbolischeDarstellung des Leidens Christi, andererseits eine Versinnbildlichung des Verhältnisses zuGott ist, welches schon die ersten Kirchenväter( Athanasius, Basilius, Chrysostomus,Hieronymus, Augustinus etc. und endlich der heilige Benedict von Nursia) erwähnen underläutern, und das endlich Benedict von Norsia( 529) den Mitgliedern seines Ordens vor-schrieb, so dass dasselbe heute noch geübt wird. Doch das hauptsächlich dramatischedieses officium divinum" liegt in der Art und Weise, wie es gefeiert wurde, denn dasMatutinum ist„ schon an und für sich ein grossartiges lateinisches Drama“ mit einemlebhaften Dialog, der durch das Psallieren in vier Arten: modus directus( beide Theile desChors beten die Psalmverse gemeinsam), modus antiphonus( ein Psalmvers wird vondem einem, der andere Psalmvers von dem anderen Theile des Chors gesungen odergebetet), der schon den vollständigen Dialog vorstellt, modus responsorius( der Cantor oderLector singt vor, der Chor wiederholt, wobei noch ein zweiter Lector Abschnitte aus derheiligen Schrift vorliest) und tractus( einer singt, die Uebrigen hören andächtig zu) her-gestellt wird. So war es zur Zeit Benedict von Nursias. Eine weitere Entwicklung desdramatischen Elements im officium wurde durch die Abwechslung der Psalmen und derdazu gehörigen Antiphone herbeigeführt. Dieselben wurden so vorgetragen, dass
a) ein Mitglied des Chors die Antiphon anstimmte, sein Nebenmann die erste Hälftedes ersten Verses des zugehörigen Psalmes und der Chor auf dessen Seite den erstenVers des Psalmes fertig sang u. s. w.
b) Oder es wurde die zu einem Psalm gehörige Antiphon zweimal gesungen.
c) Ganz besonders lebhaft gestaltete sich aber der Wechselgesang, wenn zu jedemPsalm oder Canticumverse eine neue Antiphon hinzutrat, was durch ein Antiphonardes 11. Jahrhunderts aus Tours( Proben werden mitgetheilt) belegt wird, welches dieAntiphonen zum Magnificat enthält, worin das Magnificat in seinen einzelnen Versen in
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*) Als Literatur zu diesem Gegenstande wäre zu vergleichen:
A. E. Schönbach. Ueber Marienklagen. Ein Beitrag zur Geschichte der geistlichenDichtung in Deutschland. Graz 1874.
G. Milchsack. Die Oster- und Passionsspiele. I. Die lateinischen Osterfeiern. Wolfen-büttel 1880. Dazu wäre A. Schönbach's Anzeige im„ Anzeiger für deutsches Alterthum“,1880, IV. Bd., S. 301 ff., zu vergleichen.
C. Lange. Die lateinischen Osterfeiern. München 1887.
L. Wirth. Die Oster- und Passionsspiele bis zum XVI. Jahrhundert. Halle a. d. Saale 1889.J. W. Nagl und Jacob Zeidler. Deutsch- österreichische Literaturgeschichte. Wien 1899.S. 134-140.( Die ältesten Formen des geistlichen Dramas und die Entwicklung der Gattung.)