Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Familien- und Volksleben in Bosnien und in der Herzegowina.

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wohnende Vila), vila» brodarica«( die an Fluss- und Seefurthenwohnende Vila) u. dgl.

Die Vila ist ein gutes und zugleich böses Wesen. Glücklich der-jenige Mann oder Jüngling, den sie als ihren Liebling und Schützling( vilenjak) auserkoren hat. In jeder Noth, in jeder Gefahr kann er aufihre Hilfe rechnen. Aber wehe Demjenigen, der sie erzürnt!

Die in Felshöhlen wohnenden Vilen beschäftigen sich gern mitSpinnen und Weben. Aber nebst ernster Arbeit lieben sie auchheiteres, fröhliches und geselliges Leben; sie versammeln sich gernzu Gesang und Tanz, zum sogenannten» vilinsko kolo«.

B. Jahresfeste und Volksbelustigungen.

Die Hauptjahresfeste des Volkes in Bosnien und der Herzegowinarichten sich nach dem Naturlauf und Naturleben. Der Bosniake undHercegovce gedenkt mit seinen Naturfesten nur der lebendigen, abernicht der todten Natur. In der ersten unterscheidet er drei aufein-anderfolgende Entwicklungsprocesse: erstens die Geburt oder Er-neuerung der Sonne um die Weihnachtszeit, zweitens das Erwachenund die Auferstehung der Pflanzenwelt zur Frühjahrszeit, drittens dieVollkraft der Sonne, des Pflanzen- und Thierlebens im Sommer.Dementsprechend feiert er am 24. und 25. December mit dem Badnjakund Božić die Geburt der Sonne, in christlicher Verkleidung dieGeburt Christi; um Ostern herum, insbesonders am Georgitage, dieAuferstehung der Pflanzenwelt und die dadurch erneuerte Lebens-kraft der Thierwelt; in den Monaten Juni und Juli, wenn die Sonneam höchsten und infolge dessen ihre Leucht- und Wärmekraft amstärksten ist, gedenkt er mit dem Anzünden der Freudenfeuer unddem Verbrennen der sogenannten» lile« abermals der Sonne, vonder das Leben und die Entwicklung des Pflanzen, Thier- undMenschenlebens ganz und gar abhängig ist.

1. Weihnachtsfest bei den Orientalisch Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalisch- Orthodoxen. Für den Weih-nachtsabend( badnja večer, badnjak) müssen zunächst die Weihnachts-klötze( badnjaci) gefällt werden. Dazu werden ausschliesslich Fichen,erst in deren Ermangelung Buchen verwendet. Die mit dem Fällender Badnjaci Betrauten nehmen Hafer mit in den Wald. Bevor dieAxt an den Baum gelegt wird, schlägt man, mit dem Antlitze gegenOsten gewendet, ein Kreuz, nimmt dann eine Handvoll Hafer und be-streut damit den zu fällenden Baum, der gegen Osten zu umgehauenwerden muss. Zu Hause werden die Badnjaci an die östliche Haus-wand gelehnt. Gegen Mitternacht trägt dann der Hausvater dreiKlötze ins Haus. Beim Eintritt ruft er den Hausleuten von derSchwelle zu:» Guten Morgen und fröhlichen Christtag!« Die Haus-mutter( domaćica) oder eine andere Hausbewohnerin beschüttet ihnmit Getreide und erwidert seinen Glückwunsch. Das wird dreimalwiederholt. Die Klötze werden dann nebeneinander aufs Feuer