Beiträge zum Volksaberglauben im Egerlande.
113
Ochs oder ein anderes, der nehme im zunehmenden Mond aus derHofreihe einen Pflasterstein, laufe ohne ein Wort zu reden in denStall, streiche mit dem Pflasterstein den Schwand des Gliedes drey-mal, laufe wieder zurück und gebe den Pflasterstein an sein Ort, woer ihn genomen hat, soll Probat seyn, jedoch soll der Hausvater ver-bunden sein, drey Vaterunser und Av. M. für die Armen Seelen zubethen. Auf dieses hält der Landmann sehr viel.
Moos und Erde von einem Grab, sodann ein sticklein Todtenbeinaus einem Gottesacker, zusamen in Leinwand eingenähet, bey sichgetragen, ist gut und ein sicheres Mittel für die Läuse, wann selbeeinem Menschen oder Vieh gethan oder bewiesen werden.
Das Feuer zu löschen.
Ein Jäger in der Oberpfalz verbranndte einen Laib Hausbrod,bis er schwarz war, stiesse ihn zu Pulver, thäte ein wenig Stuben-Auskehrig und das Bötzig aus einer Messerscheide geklopft dazu,bande es in ein Bündlein und warf es in die Brunst, so hat sich dasFeuer gleich gedämpft.
Ein Soldat nahm ein ganzes Hembt von einer Magd, worinnihr Menstruum war, oder ein beflecktes Leilach von einer Kindbetterinund warf es stillschweigends zusamen gewickelt in das Feuer, soverlosch es auf der Stelle.
Hab ich gelesen von einem Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner folgendes Stücklein: Mansolle Morgens und Abends eine Kohlschwarze Henne aus den Nestnehmen, solcher den Hals abschneiden, auf die Erde werfen und denMagen ganz aus dem Leibe schneiden, aber nichts davon nehmen,sondern alles beysamen lassen. Alsdann soll man den Magen in ein Stück-lein Menstruosisthes Hembt, wo es am meisten ist, eines Tellers gross.von einem noch unfehlbar reinen Jungfräulein wickeln sammt einemEy, das ganz gewiss an einem Gründonnerstag gelegt worden, diesedrey Stück mit Wachs umgeben, in ein Achtels- Maas- Häflein thun,und wol verdeckt unter die Hausthür oder Schwelle vergraben. Einsolches Haus soll von Feuer, wann es auch hinten und vorne vonFeuer umgeben, befreiet und sicher sein.
Verschiedene Typen des Aberglaubens.
Der Rulhenschläger. Die Ruthe ist eine Zwiesel von einer Hasel-nussstaude oder Birkenbaum, welche in der Christnacht unter derMetten oder am Palmsonntag unter der Passion geschnitten und ge-weyhet worden ist, worüber er das Evangelium St. Johannes gelesenhat. Mancher hat auch dergleichen Wünschruthe von Messingdratauch von Eisen die zu eben den Zeitten auf verschiedene Art gemacht,geweyhet, gesegnet und beschworen worden.
Beim Schneiden des Reises( der Wünschelruthe) reden sie das-selbe mit folgenden Worten an:
Zeitschrift für österr. Volkskunde. VI.
8