Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Lilek.

ein eventuell männliches, und einen Spinnrocken mit der Spindel fürein eventuell weibliches Kind.

Reinigung der Todtenbegleiter und des Sterbehauses. Nach derLeichenbestattung müssen sich alle, die dem Todten das Geleite ge-geben haben, waschen und glühende Kohlen über sich werfen, bevorsie in ihr Haus eintreten: Das Gefäss, aus dem sie sich gewaschen,wird zerschlagen, damit es nicht mehr gebraucht werden könne. DasSterbehaus wird gekehrt, sobald der Todte gehoben worden ist. DerBesen, mit dem das Haus ausgekehrt worden, wird nicht mehr ver-wendet, sondern weggeworfen.

Todtenschmaus. Sobald der Todte begraben ist, wird auf dasfriedliche Wohlsein der Seele des Verstorbenen gegessen und ge-trunken, und zwar entweder am Grabe des Beerdigten, oder in derTodtencapelle, oder vor der Kirche, falls sich der Friedhof an dieKirche anschliesst, oder im Sterbehause. Auf dem Lande ist das Ersteredas Gewöhnliche. Selbst in Sarajevo kann man sehen, wie das ärmereVolk zugleich mit dem Todten auch Speise und Getränke auf denFriedhof trägt. Man kann auch sehen, wie Todte ohne geistlicheAssistenz begraben und nach vollendeter Arbeit die in einem Korbemitgebrachten Speisen und Getränke mit behaglichem Appetit amfrischen Grabe verzehrt werden.

Im ersten Jahre nach dem Begräbnisse erinnert man sich derVerstorbenen noch öfters mit Todtenmahlen( dacé, podušja, sofre, opijila,karmine), und zwar am dritten Tage( trećina), am siebenten( sedmica,sedmina), am vierzigsten( četrdesetnica), am Halbjahrestage( polu-godišnjica) und am Jahrestage( godišnjica). Von diesen Mahlen istzumeist die četrdesetnica das Haupttodtenmahl; so zum Beispiel amGlasinac und im Čajničer Bezirk. Zu diesem Mahle wird da die ge-sammte Verwandtschaft und Nachbarschaft, Gevattern und Freundeeingeladen. Jeder Geladene hat hiezu seinen prilog( Beitrag) beizu-steuern, nämlich eine Flasche Branntwein, einen grossen Laib Weizen-brot und eine pita( nationale Mehlspeise). Diese Beiträge werden, wiedie Beiträge auf der Hochzeit, feierlich ausgerufen und dann auf diesofra( Tisch) gesetzt.

In Gacko heisst, wie bei den österreichischen Slowenen, dasHaupttodtenmahl» sedmina«. Dieses Todtenmahl muss gerade nichtam siebenten Tage, wie es der Name sagt, sondern kann auch früheroder später abgehalten werden. Auch hier wird zum Haupttodtenmahldas ganze Dorf geladen. Gegessen und getrunken wird da im Ueber-fluss, natürlich nur bei den Reichen.

Ausser diesen besonderen Todtenmahlen gibt es noch allgemeineTodtenmahle für alle Verstorbenen, und zwar am grossen Freitag( ersten Freitag nach Ostern), am Marcustag und Spasovdan. An diesenTagen gehen die Orientalisch Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalisch- Orthodoxen auf die Gräber, beten dazuerst für die Seelen der Verstorbenen, lagern dann auf den Gräbern