Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Familien- und Volksleben in Bosnien und in der Herzegowina,

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Božak holen musste, als desto mächtiger und kräftiger gilt er( evome preko četiri parokije). Es gelang mir nur selten und dies mitgrosser Mühe, einige meiner Kranken zur Oeffnung ihres Božak zuüberreden nach der Auftrennung der Lederkapsel fand ich meist mitBibelsprüchen beschriebene Papierstreifen, bedruckte Papierschnitzelnaus alten Kirchenbüchern, diverse Knochenstückchen, einmal sogarFragmente eines alten Uhrschlüssels, wie man sie einst als Anhängselan der Uhrkette zu tragen pflegte. Als ich mich einst darüber lustigmachte, erhielt ich von dem Träger des» entlarvten« Božak, einemälteren Mann mit grauem Haar, welcher als Seemann fast alle Meeredes Erdballes kennen lernte, die lakonische Antwort:» Ne vodi medrvo od barke nego vjera od svete Marte«.( Es führt mich nicht dasHolz des Schiffes, sondern der Glaube der heiligen Martha), d. h.der Glaube macht selig, ein altes Sprichwort der Seeleute.

Familien- und Volksleben in Bosnien und in derHerzegowina.

Von Emanuel Lilek, Sarajevo.

Erster Theil: Familienleben.

I. Familie und Geschlecht.

1. Gliederung. Die slawische Bevölkerung Bosniens und derHerzegowina gliedert sich in socialer, wirthschaftlicher, rechtlicher undreligions- cultlicher Beziehung in engere und weitere Familien, fernerin Geschlechter.

Eine engere oder einschichtige Familie( bosnisch jedinluk, jedina,selten inokosna kuća, jedesmal mit besonderer Hervorhebung dervollen Arbeitskräfte) besteht aus einem Elternpaar und dessen Kindern.Sie entsteht wie anderwärts durch Eheschliessung.

Da es bei der hiesigen Ackerbau und Viehzucht treibendenLandbevölkerung nicht Sitte ist, dass die erwachsenen Söhne aus-geheiratet werden, wie die Töchter, sondern auch nach ihrer Ver-ehelichung sammt Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib und Kind im Elternhause verbleiben, soerweitert sich die einschichtige Familie immer mehr und mehr zueinem Bund, zu einer Genossenschaft von mehreren Familien, zursogenannten Hausgenossenschaft, Hausgemeinschaft oder Hauscom-munion( slawisch zadružna kuća; abermals mit besonderer Betonungder Arbeitskräfte). Durch Verheiratung des Sohnes wird zwar die Zahlder Familien im Elternhause vermehrt, aber es wird deshalb kein neuerHerd, kein neuer Hausstand gegründet. Dem verheirateten Sohne wirdwohl eine Souterrainewohnung( kiljer, konoba, magaza, izba) zugewiesenoder ein eigenes hölzernes Schlafgebäude( zgrada) ohne Herd auf-geführt, aber in seiner wirthschaftlichen und vermögensrechtlichenStellung gegenüber den Eltern und Geschwistern hat sich mit seiner