Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Poganica und ihre Varianten.

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Der Vampyrglaube ist fast unter allen europäischen, jedochbesonders bei den slawischen Völkern sehr verbreitet und hat zweifelloseinen uralten Ursprung. Schon bei den alten Indern findet sich dieSage, dass der Leib, ohne dass die Seele ihn verlässt, seine Gestaltdurch Umwerfen eines Gewandes oder durch Aussprechen des Zauber-wortes verwandelt. In Homer's Odyssee wird von unterirdischenGeistern erzählt, welche dem Blute des von Odysseus dargebrachtenTodtenopfers nahen, als er zum Gestade der nächtlichen Kimmerierverschlagen wurde.( Od. XI. G. 49-232.) In der griechischen Mythologiewird Lykaon, der Sohn des Pelasgos, des ersten Königs von Arkadien,in einen Wolf verwandelt, weil er beim Opfern eines Menschenkindesden Altar des Jupiter mit Blut bespritzt hatte.( Pausan. VIII, 1., Ovid,Metamorph. I. 198.) Bei den Römern waren es die strigae, harpyien-artige Wesen, welche Säuglinge raubten und den Müttern Milch unddaneben Blut aussaugten. Von den menschenopfernden Priestern desJupiter Lyceus( Xoxoc Wolf) wird erzählt, dass ihnen ihre Gottheitdie Macht ertheilte, sich in einen Wolf, das Lieblingsthier des Gottes,zu verwandeln, sobald sie die Eingeweide genossen. Die Ausübungder Wolfsverwandlung als Zauberkunst( Lykanthropie) erwähnenVergil( Ecl. VIII. 95) und Petronius im» Gastmahl der Trimalchis«<.

Bei den Germanen erscheint der Vampyr unter dem NamenWerwolf; die Wölfe Odin's spielen als symbolische Thiere eine be-deutende Rolle. Die Verwandlung in Wölfe geschieht hier vorzugs-weise durch Wolfshemden und die Völsunga- Saga( Cap. 5-8) berichtetuns in ihrer Sage von Sigmund und Sinfjötli eine wilde Werwolfs-geschichte. In Schottland und Irland herrscht der Glaube, dass mancheLeichen im Grabe nicht verwesen können, an ihrem eigenen Leibekauen müssen und in der Nacht ihren Gräbern entsteigen, um denMenschen Blut auszusaugen; dass ferner solche Leute sterben müssenund nun selbst zu Vampyren werden. Auch in Dänemark, Schweden,Norwegen und Finnland haben sich ähnliche Sagen bis in die neuesteZeit erhalten.

Bei den Christen des Mittelalters war der Glaube verbreitet, dasseine im Kirchenbanne verstorbene Person unter dem Einflusse desTeufels ihr Leben weiterführe; die Leichen solcher tympanitae, wieman sie wegen ihrer straffen und elastischen Haut nannte, blieben imGrabe frisch und assen in demselben; um Ruhe vor ihnen zu haben,mussten sie ausgegraben, der Bann vom Geistlichen aufgehoben unddie Leichen verbrannt werden. In Ungarn gab der Vampyraberglaubenoch im vorigen Jahrhundert Anlass zu gerichtlichen Untersuchungen;auch bei den Neugriechen hat er Wurzel gefasst, und der Namebrukolakai oder burdolakai deutet unzweideutig auf den slawischenVukodlak. Der Vukodlak und Upir finden sich in den Sagen allerSlawen, der Südslawen sowohl als auch der Nordslawen. Um nur zweimarkante Beispiele aus zwei geographisch ganz entgegengesetzten