Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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6 (1900) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Poganica und ihre Varianten.

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apostrophirt und nicht, wie es bei den Zauberformeln von Janjinaund Smokovlje der Fall ist, dieselbe von Jesus Christus apostrophirenlässt. Ausserdem scheint es, dass die Zeilen 50 bis 55, welche dasweiter unten zu besprechende Kijavito erwähnen, irrthümlicherweiseeingeflochten sind, trotzdem sie in Bezug auf die viermalige Wieder-holung der Wortzeile» ovdje ti vema mjesta ni pribivališta«( in derZeile 23, 43, 73 und 57) scheinbar hineinpassen. Die Schaar derangeführten Heiligen deckt sich so ziemlich mit jener in der erstenFormel, nur tritt hier statt des heiligen Johann des Täufers der heiligePeter auf. Dass sich die Kenntniss der Zauberformel für die Poganicanicht nur auf Dalmatien beschränkt, beweist uns eine Notiz des Dr. Glück*)in Sarajevo, nach welcher die Formel auch bei Mohammedanern Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohammedanern bekanntund üblich ist; die Formel, deren genauere Ortsangabe er unterlassenhat, muss dreimal wiederholt und der Kranke jedesmal angehauchtwerden; sie lautet:

Oh udarcu, oh pogancu,Hojd' otole udarčino,

na najvišu planinu,na debelu Vlahinju,

5 gdje ne buče,

gdje krava ne riče,

gdje ovca ne bleči,gdje koza ne dreči,gdje oroz nepjeva,

10 gdje kokoš ne kokoče.

Oh Du Schlag, oh Du poganac,

heb Dich hinweg, Du Schlag,auf die höchste Alpe,

auf die dicke Serbin.

wo kein Ochse brüllt,.

wo keine Kuh brüllt,

wo kein Schaf blökt,

wo keine Ziege meckert,

wo kein Hahn kräht,wo keine Henne gackert.

Man sieht hier auf den ersten Blick, dass in dieser Verschwörungs-formel nur ein ganz kleiner Bruchtheil der früher angegebenen ent-halten ist, dass sie sich jedoch mit ihnen vollständig deckt; es isthier nur der Unterschied, dass die Poganica zu einem Masculinum,Poganac, wird, was jedoch auch in Dalmatien ausnahmsweise vor-kommt.**) In ähnlicher Weise berichtet auch H. Fazlagić***) über eineZauberformel, welche mit der soeben erwähnten fast vollkommengleich lautend ist, wobei jedoch nicht von einem Poganac, sondernvon einer Poganica die Rede ist. Nach der wohl unrichtigen Auf-fassung von Fazlagić soll das Wort bajati bedeuten:» etwas in sichhinein murmeln«, da die beschwörenden Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber die Zauberformelsehr schnell und unverständlich in sich hineinmurmeln, während inDalmatien, wie wir vorhin gesehen haben, das Wort bajati auf»> gähnen«<zurückgeführt wird. Sonst hat es die Bedeutung von» fabeln<.)

*) Wiss. Mitthlg. aus Bosnien und Herzegowina. 1894, II.

**) Ebenso ausnahmsweise hörte ich einmal in Crna Gora bei Janjina prokletica stattpoganica.

***) Glasnik zem. muz. 1895 I. Ebenso L. Grčić- Bjelokosić im Artikel Kostobolja iliPoganica, Narodna gatanje. Glasnik, Bd. VIII. 1896, S. 150, in dessen Form die Mutter-gottes auf einen Rappen angeritten kommt.

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Die volksmedicinale Bedeutung der Poganica besprach ich in der AbhandlungVolksmedicin auf der Halbinsel Sabbioncello in Dalmatien. Wissensch. Mittheilungenaus Bosnien und Herzegowina. Wien 1900.