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Literatur der österreichischen Volkskunde.
Sehr beherzigenswerth und nicht nur für das in Rede stehende kunstgewerblicheGebiet der Möbeltischlerei giltig, sind die Bemerkungen, mit welchen der Verfasser seineeinleitenden Ausführungen beschliesst, in welchen er auf den vorbildlichen Werth derVolkskunst für unsere neuesten kunstgewerblichen Bestrebungen mit Nachdruck verweist.Die Beschreibung der einzelnen vortrefflich ausgeführten Tafeln bringt in Kürzealles Wissenswerthe, soweit erreichbar, bei. Zu den Bemerkungen bezüglich Tafel 2, wovom„ slavischen Charakter der fremdartigen Bemalung" die Rede ist, möchte ich mireinigen Zweifel erlauben. Im Museum für österreichische Volkskunde( s. Inv. 8346) be-findet sich eine Himmelbettstatt ddo. 1741 aus Vorarlberg( Geschenk des Herrn MalersCarl Probst), welche eine sehr verwandte Decorationsweise zeigt.
Dr. M. Haberlandt.
16. Wahrzeichen Niederösterreichs. Eine Studie von Dr. Anton Kerschbaumer.Mit 60 Illustrationen. Wien 1899. Verlag von Heinrich Kirsch.
Der um die Heimatkunde Niederösterreichs vielverdiente Propst Kerschbaumerstellt in diesem Werkchen eine Reihe von Berichten über verschiedene historische Bau-lichkeiten, Curiosa und Ueberlebsel älterer Geschichtszeiten zusammen, welche mehrminder als Wahrzeichen für den Ort oder die Gegend ihres Vorkommens gelten. DerBegriff des Wahrzeichens ist ein volksthümlicher. Die Localgeschichte liefert nur in denseltensten Fällen die Anhaltspunkte dafür, warum gerade dieses oder jenes Bauwerk,diese oder jene Merkwürdigkeit in den Ruf eines„ Wahrzeichens“ gelangte. Dieser Rufist etwas, das allmälig und anonym heranwächst und dann mit einem Male feststeht,Niemand weiss zu sagen, wieso? Handwerksburschen, reisende Händler, Fusswanderer,also zumeist alterthümliche Typen schaffen diese geographischen oder touristischenSymbole, und je mehr irgend ein Ding von Sage und Chronik mit allerlei Märenumsponnen wird, desto grössere Aussicht hat es, zum Wahrzeichen einer Gegend zuwerden. Für die Volkskunde fällt in dem hübschen Werke allerlei interessanter Stoff ab,so dass unsere Zeitschrift an diesem im Uebrigen historischen Werk chen nicht vorüber-gehen durfte.Dr. M. Haberlandt.
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17. Moriz Heyne: Das deutsche Wohnungswesen von den ältesten geschicht-lichen Zeiten bis zum 16. Jahrhundert. Mit 104 Abbildungen im Text. Leipzig. Verlag vonS. Hirzel, 1899.
Die Bauernhausforschung und die daran geknüpften Untersuchungen über dienationalen Hausculturen erfahren in dem vorliegenden wichtigen und inhaltsreichen Werkeeine ausserordentlich bedeutsame Förderung und Consolidirung: sie erhalten hier,wenigstens für das deutsche Gebiet, ihre historische Fundirung in umfassender Art.Dass diese methodisch nothwendige Vertiefung unserer auf die Hausalterthümer gerichtetenStudien von Seite der Sprachwissenschaft und Philologie kommt, kann nur mit Freudebegrüsst werden; denn sie allein ist in der Lage, das wichtigste Zeugniss, die Sprache,in zutreffender Weise zu verwerthen. In gewisser Beziehung ist das vorliegende Werkeine äusserst glückliche und erwünschte Ergänzung zu A. Meitzen's grossem Agrarwerk,das uns die letzten Jahre bescheert haben, so dass wir nun die Studien über die Ge-schichte der deutschen Wohnung und Siedelung ins richtige Geleise gebracht wissen.
Wie aus einer Prüfung des Inhaltes von Heyne's Werk hervorgeht, ist die bäuer-liche Siedelung und Wohnweise naturgemäss die Grundlage der ganzen Darstellung. DerVerfasser gliedert seinen ungeheueren Stoff in drei Theile; im ersten Abschnitte werdendie Verhältnisse der altgermanischen Zeit dargestellt. Die Hofstatt, das Haus und seineTheile, Hausschmuck und Möbeln, Heizung und Beleuchtung, die altgermanischen Schutz-bauten finden ihre Schilderung zunächst auf Grund sprachlicher Zeugnisse( Etymologien)sowie der vorhandenen historischen und archäologischen Documente, welche freilichgrosse Lücken lassen. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit dem deutschen Wohnungs-wesen in den Zeiten der Merowinger bis zum 11. Jahrhundert, der dritte Abschnitt