Literatur der österreichischen Volkskunde.
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9. Ein rothes, weiss und grün carrirtes Harraskopftuch mit grosser farbiger Seiden-stickerei am Zipfel und je einer Seidenblume in einzelnen Vierecken, roth gefransterSaum.( Alter mindestens 80 Jahre.)
10. Ein schwarzes Seidentuch mit Golddruck am Zipfel.( 50 Jahre.)
11. Nebstdem eine alte Brille mit runden grossen Gläsern.
12. Ein grosser Haarschmuck von Messing.
IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.
1. Besprechungen:
15. Bauernmöbel aus dem bayerischen Hochland. Aufgenommen und gezeichnetvon Franz Zell, Architekt in München. Dreissig Tafeln mit Text. Folio. Frankfurt a. M.Verlag von Heinrich Keller. 1899.
Wiewohl diese schöne und werthvolle Publication in geographischer Beziehungüber das Gebiet unserer Zeitschrift hinausreicht, ist sie doch in sachlicher Beziehungwegen der innigen und lebendigen Zusammenhänge unserer alpenländischen Bevölkerungund dem Volke des bayerischen Hochwaldes sowie wegen der weiten Verbreitung derdargestellten Art von Bauernkunst auch für uns von grosser Wichtigkeit. Vor Allem istes ein Beispiel, dem nachzufolgen unsere Landesmuseen und das Museum für öster-reichische Volkskunde durch die Gewährung entsprechender Mittel in die Lage versetztwerden müssen, sollen sie ihre Aufgabe nach jeder Richtung hin und wirklich erfüllen.In dem durch kräftige Entwicklung aller volksmässigen Lebens- und Culturäusserungausgezeichneten bayerischen Hochland blühte bis in die letzten Jahrzehnte neben anderenkunstgewerblichen Fertigkeiten auch der Sinn und die Geschicklichkeit für die Herstellungeines eigenartigen, reich decorirten Hausmobiliars. Die„ Kistler“( Tischler, Schreiner), inderen Händen dieser Zweig volksmässiger Arbeit und Kunst lag, mussten zugleich Maler sein;freilich ist die farbige Bemalung von Kasten, Truhe und Bettstelle vielfach die Aufgabe derFrauen und Töchter der Meister gewesen, ähnlich wie die Decoration von keramischenErzeugnissen in der Werkstatt der alten„ Krügler" den Frauen der Familie oblag.( SieheKatalog der Sammlungen des Museums für österreichische Volkskunde 1897, S. 10.) AlsMateriale wurde immer Fichtenholz verwendet; in älterer Zeit wurden die Möbel, auch Thürenund Täfelungen natura gelassen und mit schwarzem Linienornament bemalt.( Eine Publicationsolcher älterer Decorationsformen ist uns in Aussicht gestellt.) Mit der farbenfreudigenKunst des Rococo wurde auch die farbige Bemalung an Häusern wie an Hausrath sehrbeliebt. Auch der Styl Louis XVI. drang ins Mobilar des Bauernhauses. Hauptsächlichhandelt es sich um die Einrichtung des Prunkzimmers, der schönen Stube", des Schlaf-zimmers. Die angewendete Grundfarbe war in der Regel blau, selten grün. Auf diesemGrund wurde die eigentliche Decoration gemalt. Mit Recht hebt der verdienstvolle Ver-fasser unserer Publication die überaus grosse Verschiedenheit und die ungezwungene,naive Natürlichkeit in der Erfindung der Decoration hervor, welche so treu im Kreise derkünstlerischen und der sittlich- religiösen Vorstellungen der bäuerlichen Welt verbleibt.Die Farbe hat nicht den Zweck der Imitation einer besseren Holzart, sondern sie trittlediglich als solche auf. Die bildliche Malerei erstreckt sich auf Blumen und Früchte derHeimat, welche in kräftigen Farben aufgetragen sind. Religiöse Bilder, Jesus und Maria,Heilige als Namenspatrone, Embleme der Religion, der Liebe und Treue, Jahreszahlenund Spruchbänder finden sich in der Regel. Ab und zu sind auch Landschaften, Gebäude,Kirchen, sogar Städtebilder angebracht oder es werden Scenen aus dem Alten und NeuenTestament dargestellt."
Zumeist stammen diese bemalten Möbel aus Tölz(„ Tölzer Kästen“). Die Einleitungbringt sehr interessante Daten über die Tölzer Kistlerei und den Vertrieb dieser äusserstbilligen Bauernmöbel, welcher zumeist auf Flössen auf die städtischen Märkte erfolgte.