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Blau.
Bezüglich der Arbeit selbst wird beachtet, dass recht dicht an-gebaut wird. Der Flachs wird dann» feinhierig«, wenn dünn gesäetwird, grobridisch«. Wirthschaftsregel:» Die Linset soll man so dicksäen, dass sie der Hirsch aufschlecken kann.<<
Von den zu Ostern geweihten Eiern( nur die am Gründonners-tag gelegten, die» Odlassoja«, werden geweiht) werden die Schalenaufbewahrt und unter das Saatgut gemischt, damit der Flachs rechtgedeihe. Die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber, die Linset bauen, sollen dazu ihr» Brautfingerl«<anstecken.*)
Unsere bayerischen Nachbarn bauen den Flachs gern recht spät,meist zu Antoni, 13. Juni. Der Antoni- Flachs gilt bei ihnen als derbeste, weil er schon rein von Unkraut, das zu dieser Zeit meist ver-blüht hat, und recht lang ist.**) In der angrenzenden niederbayrischenGegend von Neukirchen baut man den Flachs auch gern» auf Eråsi-musse«, 2. Juni; da sollen recht» Raasen« werden. Eine ähnlicheVolksetymologie wie die von St. Blasius abgeleitete, auf die ich nochweiter unten zu sprechen komme.
Der früher gebaute Same gibt mehr und feineren,» hierigeren«***)Flachs, der später gebaute soll länger, aber auch werchiger undsomit gröber,» ridischer« †) werden. Man unterscheidet überhauptnach der Güte den feinhierigen, geschmeidigen und den grobrideri-schen, derben Flachs.
So long mousst wer'n!
Unsere Bauern sagen:» Wen da Flox net ghrått, brumand d'Wäwa' s gontz Goor.<<( Wenn der Flachs nicht geräth, brummen dieWeiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber das ganze Jahr.)
Und ein Hauptkennzeichen des Gerathens ist die Länge desFlachses. Was den Bewohnern des» Záhoří« in Mähren+) die Längeder Gänseblümchenstengel sagt, das zeigt unseren Leuten in gewissenNächten( siehe oben Anbauzeit) die Länge der Eiszapfen an und wasbei den Gailthalern †) der geweihte Blumenkranz im Haarfelde be-wirken soll, nämlich den Flachs zu» ziehen«, das soll bei uns eineBirkenruthe im Stande sein, die man von der Frohnleichnams-procession heimträgt.
*)„ Fingerl allgemein für Ring, sehr häufig auch„ Fingerringl“, auch„ Ringl“.Wenn die Bäuerin eine junge Kuh nach dem Kalben zum ersten Male melkt, lässt sie dieerste Milch, den„ Bejs*, durch das Brautfingerl in die Gelte zeidln, damit die Kuh nichtverhext werde.
Vergl. hiezu Dr. Urban,„ Agrarische Gebräuche im Egerlande". III. Jahrgangd. Zeitschr., S. 112.
**) Bezüglich der Anbauzeit im Egerlande vergleiche man hiezu, was Dr. Urbanin demselben Aufsatze mittheilt.
***) Die einzelnen Flachsstengel heissen„ Hiar“.
†) Das Eigenschaftswort„ ridrsch" wird auch häufig auf widerhaarige, ungehobelte,
schwer zu behandelnde Menschen und Stoffe angewendet.
††) Diese Zeitschr. I., S. 242. Přikryl,„ Die Bevölkerung am Záhoři“.†††) Diese Zeitschr. I., S. 181, Franziszi,„ Der Blumenkranz im Haarfelde".