Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

Meist wird man aber zum Mithalten eingeladen.

Nach dem Essen wischt Jedes seinen Löffel ab; dazu muss das Tischtuch herhalten.Der Löffel wird sodann mit dem Rücken aufwärts auf den Tisch gelegt. Die kleine Dirnsammelt die Löffel und erst vor der nächsten Mahlzeit werden sie in warmem Wasserabgespült. Im angrenzenden Bayern hat Jeder für seinen Löffel einen eigenen Platz unterder Tischplatte, wo er ihn mit dem Stiele einzwängt. In einigen Höfen stecken die Dienst-boten ihre Löffel sogar in die Klumsen der Trambäume, die die Zimmerdecke tragen.In unseren Ortschaften soll ehemals derselbe Brauch geherrscht haben.Messer und Gabel kommen bei diesen Mahlzeiten nicht zur Anwendung; Fleischgibt es nur auf die heiligen Zeiten, als da sind: Weihnachten, Fasching, Ostern, Pfingsten,Kirchweih und auf die sogenannte Wallfahrt".*)

Keiner darf seinen Platz eher verlassen, als bis Alle fertig sind. Dann wird gebetet.Der Bauer betet den Engel des Herrn vor und schaut dabei zum Fenster hinaus; dieBäuerin steht beim zweiten Fenster, beim dritten beten die Knechte, die Mägde beimnächsten; der Hütbub lehnt mit dem Rücken an der Stubenthür.

Zum Abendbrot( um 3 Uhr herum**) wird immer eine Schüssel saure Milch gebracht,die vorher sorgfältig abgerahmt wurde. Darein wird wieder Brot gebrockt. Zur Zeit derArn oder im Heuget wird die Milch aufs Feld nachgetragen. Eine solche Mahlzeit imFreien bietet immer ein malerisches Bild. Die Esser liegen sämmtlich auf der Erde, dennwer sich's am bequemsten macht, der kriegt das Meiste; die Mädchen und Frauen freilichmit mehr erhobenem Oberkörper, den die eine Hand stützt; der Hütbub liegt aber ganzund gar auf dem Bauche und hebt den Kopf nur dann, wenn ihm der Löffel eine neueLadung bringt.

Die Nachtsuppen wird erst eingenommen, wenn die Arbeit in Feld, Hof und Stallbeendet ist, darüber wird es oft 9 Uhr Abends. Im Winter dauert das natürlich nicht so lange.Sie besteht aus drei Richten: Milchsuppe mit Brocken und Erdäpfeln sammt derHaut, die heiss auf den Tisch kommen und wie Mittags zur Suppe gegessen werden;Schoarnbladla in der oben erwähnten Zubereitung, dann ein Milchmus aus Mehl, Reisoder Gries. Im Winter bis Lichtmess, dem Beginne des neuen Dienstjahres, entfällt dasdritte Gericht.

Auf einen Knecht, der nicht viel isst, wird nicht viel gehalten; fest soll er ein-hauen und fest soll er sich anhauen, denn wie man isst, so arbeitet man", sagtder Bauer.

IV. Literatur der österreichischen Volkskunde.

1. Besprechungen:

4. Echte Tiroler Lieder, unter Mitwirkung mehrerer Freunde herausgegeben vonF. F. Kohl. Wien 1899. Im Selbstverlage des Herausgebers( Wien, XVIII. Canongasse 19).8. XLII, 302 Seiten.

Dem Zuge unserer Zeit folgend, welche Bildung und Natur in Einklang zu bringenstrebt, hat der Deutsche Volksgesangverein in Wien sich die Pflege des deutschenVolksliedes zur Aufgabe gestellt. Die begeisterten Verehrer desselben mischten sich unterdas Volk, erlauschten dessen Weisen, sammelten Schätze, das Unechte und Minderwertigeausscheidend, und wirkten durch Flugschriften und mustergiltige Vorführungen aufklärend,das Interesse belebend. Wenn heute das Volkslied, auf das man noch in der Mitte unseresJahrhunderts geringschätzig hinabsah, in weiten Kreisen der Gebildeten eine geachteteStellung einnimmt, so ist das nicht zum geringsten Theile das Verdienst des DeutschenVolksgesangvereines und seines unermüdlichen Begründers und Obmannes, des ProfessorsJ. Pommer. Diesem zunächst gebührt dem Obmannstellvertreter F. F. Kohl Dank und An-erkennung durch die Herausgabe echter Tiroler Lieder.

*) Das Fest des Kirchenheiligen.

**) Der Nachmittag heisst Abend und der Abend beginnt schon um 12 Uhr. Um11 Uhr ist Mittag.