Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

in dem vorliegenden Falle wird man vielleicht nicht fehlgehen, als die Urheberin des Ver-botes die Macht der Geistlichkeit zu vermuthen. Es soll nämlich im oberen Murthale übelvermerkt worden sein, dass die Bauern den deutschen Bibelliedern in den geistlichenSpielen mit grösserer Andacht lauschen als der lateinischen Messe.

In der Steierischen Alpenpost vom 24. December 1898 stand pag. 445 ineiner Correspondenz aus St. Georgen a. M. Folgendes über das Verbot der Aufführunggeistlicher Volksspiele in oberen Murthale:

Die Aufführung der geistlichen Volksspiele wurde für heuer von der k. k. Statt-halterei nicht bewilligt. Es ist wirklich schade, dass diese Spiele der Vergessenheit sollenpreisgegeben werden. Sie wirken gewiss erziehlicher und erbaulicher auf die Bevölkerungals die kurzgeschürzten Ballete auf die Stadtbewohner. So Mancher hatte sich beim Besucheder geistlichen Spiele einen physischen und moralischen Kater erspart. Heuer dürfte esden verkehrten Weg gehen. Magst nix machen, Hiasl! Was im Jänner 1898 erlaubtwar, ist jetzt im December desselben Jahres verboten! Wenn nur die für die Erhaltungalter Volkssitten,-Gebräuche,-Weisen etc. interessirten Kreise in dieser Hinsicht etwasthun könnten! Wenn nicht, so müsste man die vorjährigen Volkskomödianten als Raritätund zur Erinnerung an die letzten Aufführungen des Paradeis- und Hirtenspieles" in dasVolksmuseum nach Wien schicken."

Verein für Egerländer Volkskunde. Dieser rührige, von unserem verehrtenMitgliede und Mitarbeiter Herrn Alois John in Eger begründete und vortrefflich geleiteteVerein beging am 26. Jänner 1899 das zweite Jahresfest seiner Begründung. Aus demJahresbericht über das zweite Vereinsjahr 1898 erhellt ein kräftiges Anwachsen dieserbereits 418 Mitglieder zählenden Gesellschaft, welche eine eigene kleine Zeitschrift, UnserEgerland herausgibt, auch bereits mit einer verdienstvollen selbstständigen Schrift:dem ersten Heft einer Egerländer Volksliedersammlung hervorgetreten ist und eineAnzahl von Vortragsabenden mit lehrreichem und anziehendem volksthümlichen Programmveranstaltet hat. Erwähne ich noch, dass mit der Begründung einer Fachbibliothek undeines einschlägigen Bilder- und Photographienmaterials bereits begonnen worden ist,so ist die erfreuliche Wirksamkeit dieser jungen Gesellschaft hinreichend skizzirt. Wirwünschen ihr dauernd die freundlichsten Erfolge.Dr. M. Hdt.

Sammlung volksthümlicher Ueberlieferungen in Deutschböhmen. Mitgewohnter Pünktlichkeit erscheint, bald nach Jahresabschluss, der fällige fünfte BerichtProf. Dr. Adolf Hauffen's über den Fortgang seiner im Auftrage der Gesellschaft zurFörderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen eröffneten Sammlungvolksthümlicher Ueberlieferungen aus Deutschböhmen.( Siehe darüher diese ZeitschriftI, S. 85; III, S. 122; IV, S. 127.) Gegen 100 Beiträge sind im verflossenen Jahre aufGrund des von Prof. Dr. A. Hauffen ausgearbeiteten Fragebogens eingelaufen, im Vorjahrewurden 160 verzeichnet, der 3. Bericht hatte 70 Beiträge ausgewiesen. Neben den vor-wiegend literarischen Mittheilungen waren es auch zahlreiche Zeichnungen und Pläne( von Häusern, Möbeln und anderem Hausrath), wie beispielsweise Herr Oberlehrer JosefSchramek solches Material aus dem Böhmerwald einlieferte, die zur Sammlung gelangten.Die bereits vorliegende Sammlung ist nun schon so umfänglich geworden, dass an dieVerarbeitung des Materials gegangen werden könnte; man will indessen noch versuchen,von fünf bislang gänzlich unvertretenen deutsch- böhmischen Schulbezirken Material einzu-bringen, ehe die Sammelthätigkeit geschlossen wird. Das eigentliche Hauptwerk über dasdeutsche Volksthum in Böhmen, welches wir als die Hauptfrucht des ganzen so verdienst-lichen Unternehmens mit Freude erwarten, beabsichtigt der mit der Herausgabe betrauteProf. Dr. Hauffen mit dem Bande: Deutsche Sagen und Märchen und Volkserzählungenaus Böhmen zu eröffnen, mit dessen Bearbeitung bereits begonnen wurde. Als einehübsche Probe dieser Vorarbeiten hat Prof. Hauffen in den Forschungen zur neuerenLiteraturgeschichte, Festgabe für Richard Heinzel, Weimar 1898, 4° eine Vorfruchtveröffentlicht, den Aufsatz: Zur Kunde vom Wassermann".