Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mittheilungen.

daran, welch letztere unter dem Kinn zusammengebunden wurden.Hatte die Pelzmütze keine Ohrlappen, so banden sich die Männerbei grosser Kälte ein zusammengefaltetes, kleines Tuch über dieOhren herab, oder man trug unter der Mütze noch eine schwarze,warme Zipfelmütze, die bis über die Ohren herabgezogen wurde. DieFrauen aber schützten den Kopf und namentlich die freie Stirne durchein ähnliches kleines Tuch, das am Hinterhaupte gebunden wurde.Und dies kann man noch heute bemerken, denn bei grosser Kälte,sagt man allgemein,» steht Alles schön, was warm ist«.

( Schluss folgt.)

II. Kleine Mittheilungen.

Aus dem Lungau.*)

Von Dr. M. Haberlandt.

Von den alterthümlichen Gaulandschaften Salzburgs mit den schönen, unverständ-lichen Namen, neben dem gesegneten Pongau und dem herrlichen Pinzgau ist der raubeLungau immer eine Art Aschenbrödel gewesen. Natur und Geschichte haben sich zusammen-gethan, um den hochgelegenen, vielfach unwirthlichen Gau, auf welchen die Tauernketteihren frostigen Hauch herabsendet, als abgeschlossenen Erdenwinkel in Armuth und Be-scheidenheit zu erhalten. Die grüne, fröhliche Mur ist gleichsam der einzige Ariadnefaden,der aus dem Bergverliess des Lungau in die freie, offene und gesegnete Welt führt, woder Wein wächst und die goldene Brotfrucht wirklich schon im Sommer reift. Sonst habenwir hier nur eine Folge von Hochthälern, denen die Berge sozusagen den Athem verlegen,und die lastende Umwallung des Hochgebirges. Die Luft des Lebens ist dünner und dieSonne scheint ferner.

Auf dem Rade rollte ich vor nicht langer Zeit, aus der grünen Steiermark kommend,dem Lungau zu. Die Mur aufwärts geht die schöne weisse Strasse Hügel auf, Hügel ab,und die Gegenwart des traulich plätschernden Flusses, der ein so echter steierischer Lands-mann ist, macht uns die Landschaft sogleich vertraut. Es ist bei Unzmarkt, wo sich dasobere Murthal breit öffnet, um sich der Steiermark als Kamerad gleichsam an den Armzu hängen. Ein altes, verfallenes Schlösschen schaut aus leeren Fensterhöhlen blauäugigins Thal hinab, ein bescheidenes Kirchlein steht als Nachbarin daneben. Es ist die un-erwartetste Erinnerung, die darüber wie ein Rosawölkchen schwebt: Ulrich von Liechten-stein, der Frauenritter, gebot einst auf dem Schlösschen, und in dem Kirchlein liegt erbegraben. Wer nicht ein Literarhistoriker von Beruf ist, schüttelt erstaunt den Kopf; ermöchte den romantischen Galan grausamer Schönen überall eher zu Hause wähnen alshier, wo die Luft so gesund, der Wald so würzig haucht. Hoch auf dem alten Thurmesteht hier keineswegs des Ritters edler Geist.... Der Vorüberfahrende macht sichwenigstens nicht viel aus seinem Geistergruss und rollt an weidenden Kuhheerden undpochenden Hämmern vorbei.

Und die Strasse steigt und steigt und fällt hinter dem Bühel nicht mehr so tiefherab. Die Berge rücken enger zusammen und wachsen in die Höhe. Tiefer rauscht untenim Thal der schäumende Fluss. Die Leute grüssen in einem anderen Tonfall, und die Pferdevor den Wägelchen und den schweren Holzlasten beginnen vor dem Stahlrösschen zuschnauben und zu springen. Die Weiler werden seltener und die Dörfer sind nicht mehr miteinigen festen Tritten in die Pedale zu erreichen. Ein Bub und zwei Mädeln mit Schul-zeug traben die Strasse entlang; sie haben eine starke Wegstunde zur nächsten Dorf-schule zu laufen.

Siehe Neue Freie Presse"; Feuilleton vom 2. September 1898.