Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
5 (1899) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Haudeck.

Ausser diesen hört man hie und da sehr derbe und mitunterauch obscöne Spitznamen, welche nur in den intimsten Cirkelngangbar sind und einer weiteren Besprechung nicht bedürfen, weilsie lediglich auf persönliche Neckereien von den Freunden oderFeinden des Betreffenden zurückzuführen sind. Dessen ungeachtetmuss für die Entstehung und für den Gebrauch der dalmatinischenSpitznamen in gleicher Weise wie auch in anderen Ländern wohlnur das wirkliche Bedürfniss bei ähnlich oder gleichlautendenPersonen- und Familiennamen im Sinne eines thatsächlichen Noth-behelfes als primäres Moment betrachtet werden.*)

Volkstracht im Leitmeritzer Mittelgebirge.

Von Joh. Haudeck, Leitmeritz.

Das Verschwinden alten Brauches und alter Sitte ist bei derländlichen Volk stracht noch weit mehr zu bemerken, als es bei demHausbau, auch bei der bäuerlichen Kost der Fall sein kann. Kleidersind rascher abgetragen und leichter durch neue zu ersetzen, als esmöglich wird, an die Stelle des alten Holzbaues ein steinernes Gebäudezu setzen. Auch ist das Bestreben, die städtischen Verhältnisse nach-zuahmen, auch der Einfluss der herrschenden Mode bei der Volks-tracht noch von rascherer Wirksamkeit. Namentlich ist es die nach-wachsende, jüngere Generation, welche das Alte an der Kleidertrachtabgeschmackt findet und es für lächerlich hält, sich nach der Artund Sitte der Alten zu kleiden. Ganz wesentlich trägt auch die Er-zeugung der neuen Kleiderstoffe bei. Unsere hochentwickelte Gross-industrie stellt Kleiderstoffe, Tücher, Leinenwaaren eben weit billigerher, als es ehemals dem einfachen Handwerksmeister möglich war.Dagegen kann aber betont werden, dass unsere heutigen Kleiderstoffedoch nur dem Anscheine nach billiger sind, denn an Dauerhaftigkeitkönnen sie sich wohl mit den früher erzeugten Stoffen kaum messen.Das vom Tuchmacher der früheren Zeit hergestellte Tuch zu einemguten Rocke kostete allerdings auch ein gutes Stück Geld, zumal,wenn man den Werth des früheren Geldes hiebei noch in Betrachtzieht, aber» es war auch nicht umzubringen«. Fest und dauerhaft,unverfälscht gearbeitet, behielt es auch seine ursprüngliche Farbejahrzehntelang. Deshalb erschien es auch als gar nichts Seltenes,wenn der» Breiting'nrock« lebenslänglich des Vaters Festtagsrockblieb. Ja es konnte wohl vorkommen, dass aus diesem Tuchenoch die Kinder feste Kleidungsstücke erhielten. Ein Stoff, der so*) Die Arbeit von T. Maretić Ueber die Volks- und Zunamen bei den Kroaten undSerben( Sitzgsber. der südsl. Akad. LXXXI, Agram 1886) ist mir erst während des Druckesdieser Abhandlung bekannt geworden und konnte von mir leider nicht mehr benütztwerden. Er unterscheidet: Spitznamen nach zufälligen Eigenschaften, prophylaktische"und zusammengesetzte.