Literatur der österreichischen Volkskunde.
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Sorgfalt wurde noch immer dem Studium der Stickereien gewidmet, in erster Reihe suchte J. Kouladie Alterthümlichkeit der čechoslavischen Stickmuster nachzuweisen¹). Ant. Šolta untersuchtespeciell die böhmischen Stickmuster, und zwar die Denkmäler der alterthümlichen Stickmuster undOrnamente auf den Kirchengewändern aus dem Chrudimer Kreise, und weist ihren alten undursprünglichen slavischen Charakter nach. Seine Ausführungen begleitet er in seiner von demMuseum in Chrudim herausgegebenen Publication mit der sehr gelungenen photographischenReproduction dieser Ornamente und auch anderer auf 21 Tafeln²). Frau Vlasta Havelkováschrieb einige Bemerkungen über die Volksstickereien auf der ethnographischen Ausstellung³), Jos.Klvaňa besprach speciell die mährischen Stickereien auf derselben). Andr. Pisch beschrieb dasmährische Ornament überhaupt, weist den gleichen Gebrauch derselben ornamentalen Motive nachauf Stickereien, auf den Möbeln, den Façaden der Bauernhäuser, in Büchern und auf Ostereiern³).Derselbe gab auch eine Sammlung der mährischen Ornamente zum Schulgebrauche heraus).
Prof. Jos. Klvaňa beschreibt die ornamentalen Verzierungen auf den mährischen Oster-eiern'). Über die praktische Ausnützung der Ornamente schrieb einige Worte Dr. Č. Zibrt³).Schmuckgegenstände des Volkes besprach J. Soukup³) in Hinsicht auf ihren Ursprung
und Alterthümlichkeit.
Zu den Rechtsverhältnissen brachte einen wichtigen Beitrag Dr. Č. Zíbrt mit einerAbhandlung über das Krummholz, die Kluke als Abzeichen der Würde des Ortsvorstehers 10), aufder auch verschiedene Ankündigungen befestigt im Dorfe von Haus zu Haus getragen wurden.
Nähere Beiträge zur Kenntnis der socialen Verhältnisse des XVIII. Jahrh. wurde ausNotizen der Dorfschulzen aus der Gegend von Leitomischl mitgetheilt¹). Die Beziehungen zwischenBauer und Gesinde, das Leben der Bauernschaft und" der dem Bauer dienstbaren Dorfbewohnerwird aus dem Orte Berlau12)( Brlohy) im Bezirke Krumau und Kalsching, und aus dem OrteKozlowitz bei Frankstadt¹³) in Mähren geschildert. Ein anderer Beitrag zur Kulturgeschichte istnoch der Abdruck einer zeitgemäßen Schilderung der feierlichen Errichtung eines Galgens inBrandeis a/ E. im Jahre 175914), weiters der Abdruck eines Berichtes über die angebliche Trunken-sucht der alten Böhmen aus einem polnischen Büchlein aus dem Jahre 1619.
Das große Werk über die čechoslavische etnographische Ausstellung in Prag im Jahre189515), dessen erste Hefte wir in der bibliographischen Übersicht für das Jahr 1895( Zs. Öst.Vk. II, 373) kurz erwähnten, schreitet allmählich seiner Vollendung entgegen. Der den Ethno-graphen speciell interessierende Theil ist bereits geschlossen. Allgemein wurde die äußere splendideAusstattung des Werkes anerkannt und ausdrücklich hervorgehoben, dass von dieser Seite in der bis-herigen sehr reichen slavischen ethnographischen Literatur ihm nichts ähnliches gleichgestellt werdenkann. Hervorzuhehen sind insbesondere die prächtigen in Chromotypie von der Officin J. Ottoausgeführten Costümbilder, die erst eine richtige Vorstellung von den farbensatten Trachten derčechoslavischen Volksstämme hervorrufen können, und es ist sehr zu bedauern, dass nicht auchder Verleger des Český Lid sich entschließt, in gleicher Weise die zahlreichen gediegenen Costüm-studien, die in ihm Jos. Klvaňa, J. Koula u. a. veröffentlichen, zu illustrieren. Wir sprachendiesen Wunsch schon am Schluss unseres letzten Berichtes aus( II, S. 380), leider wurde er vonder Redaction des ČL. abgewiesen. Die Beschreibung der Ausstellung ist für die weiteren Kreisedes Publicums bestimmt, daher natürlich populär gehalten, wissenschaftlicher Ballast also ziemlichferngehalten, nichts destoweniger finden wir in der Beschreibung des ethnographischen Materials,das in der Ausstellung aufgespeichert war, sehr lesenswerte und fachmännische, mitunter mitstatistischen Karten und Tabellen ausgestattete Abhandlungen. Es sollen hier insbesondere hervor-
¹) ČL. VI, S. 25 f., 171 f. 2) Památky starobylého vyšívání českého na rouchách kostel-ních z Chrudimska. Příspěvek k seznání českého ornamentu výšivkového. V Chrudimi 1896.3) ČL. V, S. 259 f. 4) ib. S. 225 f. 5) Moravský ornament. V Přerově 1896. Rec. ČL. VI,S. 103. 6) Sbírka předloh moravského ornamentu. V Kroměříži 1896. Ref. ČL. VI, 206.
7) ČL. V, S. 429 f.§) ČL. VI, S. 48 f. 9) Čpst. IV, S. 7 f. 10)< Rychtářské právo,palice, kluka» in den Sitzungsberichten der kgl. böhm. Ges. Wissensch. Philos.- histor. Classe 1896,S. 30. Vgl. Zs. V. Vk. VII, 109; Wisła XI, 357 f. 11) ČL. V, S. 277 f. 12) ČL. V, S. 327 f.18) ČL. V, S. 280 f.
14) ČL. V, S. 340 f. 15) Národopisná výstava českoslovanská v Praze 1895. In Druck undVerlag von J. Otto, bisher 23 Hefte, 507 S. in Gr. 4°. Vgl. Archiv f. slav. Phil. XIX, 310 f.